Mein Name ist Moha Haidara. Ich komme aus Mali und lebe seit fast drei Jahren in der Schweiz. Von hier aus verfolge ich mit grosser Sorge, was in meiner Heimat geschieht. Besonders betroffen ist meine Familie, die in Kassela, etwa eine Stunde ausserhalb von Bamako, lebt – in einem Gebiet, das zunehmend von Dschihadisten bedroht wird.
Ich stamme ursprünglich aus dem Norden Malis, aus Timbuktu, und gehöre den Touareg an. Meine Familie lebt heute in Kassela, doch die Geschichte und die Herkunft aus dem Norden prägen unser Leben bis heute.
Ich bin der Älteste in meiner Familie und trage seit vielen Jahren Verantwortung für alle. Schon bevor ich in die Schweiz kam, habe ich meine Familie unterstützt – und auch hier arbeite ich viel und hart, um ihnen von der Ferne aus zu helfen. Doch die aktuelle Lage sprengt den Rahmen. Ich schaffe es nicht mehr allein, sie sicher durch diese Katastrophe zu bringen.
In Kassela lebt meine Grossfamilie mit insgesamt 17 Personen.
Meine Eltern sind schon alt. Mein Vater war sein ganzes Leben lang auf der Flucht – er stammt aus dem Norden Malis, wo seit 2012 Krieg herrscht. Ich habe meine Eltern damals aus einem Flüchtlingslager in Mauretanien nach Bamako geholt, in der Hoffnung, ihnen endlich ein sicheres Leben zu ermöglichen.
Heute steht meine Familie wieder vor der Flucht.
Mein Vater möchte jedoch in Kassela bleiben, um das Haus zu hüten. Ich bedauere seine Entscheidung, aber ich verstehe ihn – er hat sein Leben lang alles verloren und will vorallem nicht noch einmal fliehen.
Meine Mutter, zusammen mit vier jüngeren Geschwistern und ihren Kindern, soll jedoch ins Zentrum von Bamako fliehen. Dort möchte ich ihnen helfen, für die nächsten sechs Monate eine Wohnung zu mieten, damit sie wenigstens vorerst in Sicherheit sind. Insgesamt betrifft das zehn Kinder – sieben sind von meinen Geschwistern, zwei davon Kinder einer meiner Schwestern aus Timbuktu und drei Kinder von weiteren Verwandten.
Durch die progressive Verschlechterung der wirtschaftlichen und politischen Situation ist es für viele Menschen in Mali fast unmöglich geworden, Arbeit zu finden oder zu behalten. Auch meine Familie leidet stark darunter. Zwei meiner Brüder haben vor ein paar Jahren im malischen Militär Arbeit gefunden – einer von ihnen dient im Norden des Landes. Diese Arbeit ist gefährlich und belastend, aber für viele die einzige Möglichkeit, überhaupt ein Einkommen zu haben.
Die politische und wirtschaftliche Lage in Mali war schon vor dieser Eskalation äusserst schwierig.
Nach dem Militärputsch hat das Regime die Macht übernommen und hält bis heute daran fest. Nach dem Bruch mit Frankreich wurden die französischen Truppen abgezogen; an ihrer Stelle kamen russische Söldner der Gruppe Wagner, die sich heute 'Africa Corps' nennen. Seither hat sich die Situation weiter verschärft – das Land ist isolierter, die Sicherheit instabiler, und die Bevölkerung leidet.
Hinzu kommen die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie und die Kürzungen der amerikanischen Unterstützung für NGO-Projekte in Afrika. Dadurch und durch die jüngsten Ereignisse der Bedrohung durch die Dschihadisten sind die Lebensmittelpreise explodiert.
Ein Beispiel: Ein 50-kg-Sack Reis, der bis vor Kurzem rund 30 Euro kostete, ist heute doppelt so teuer – und Reis ist zur Zeit schwierig zu finden.
In den letzten Wochen ist die Lage rund um Bamako völlig ausser Kontrolle geraten.
Dschihadistische Gruppen zünden Benzin-Lastwagen und Treibstofftanks an, um Druck auf das Militär auszuüben. Es herrscht eine massive Benzinknappheit: Die Menschen stehen stundenlang in der Hitze Schlange, die Strassen sind leer, und viele können ihre Dörfer kaum noch verlassen.
Gleichzeitig versuchen die Extremisten, den Menschen ihre Regeln aufzuzwingen – Frauen müssen Schleier tragen, Männer sollen ihre Hosen bis zu den Knöcheln kürzen, damit die Knöchel sichtbar sind. Wer sich weigert, lebt in Angst vor Repression.
Für meine Familie ist es dort nicht mehr sicher.
Die Flucht ins Zentrum von Bamako ist ihre einzige Chance – zumindest für den Moment. Doch selbst dort wird die Lage täglich unsicherer, vorallem für die Frauen kann der Zwang nach Schleier sehr ernste Folgen haben. Die Repression ist gross.
Ich benötige zunächst eine erste Teilsumme von 8’000 Franken, um für sechs Monate Unterkunft, Transport, Lebensmittel und das Nötigste in Bamako zu sorgen.
Sollte sich die Situation jedoch weiter zuspitzen, bleibt möglicherweise nur die Flucht nach Mauretanien – ein Land, in das meine Familie bereits früher geflohen war.
Der Weg dorthin ist sehr gefährlich: Strassen sind unsicher, und Reisen mit öffentlichen Verkehrsmitteln bergen grosse Risiken. Flüge wären sicherer, aber sehr teuer – und derzeit hat nur ein Bruder einen Pass. Für alle anderen müssten Pässe ausgestellt werden sowie eine Unterkunft in Mauretanien organisiert werden.
Für diese zweite Etappe plane ich eine Reserve von zusätzlichen 10’000 Franken, um Pässe, Flüge und Unterkunft für alle abzusichern.
Ich unterstütze meine Familie so gut ich kann, aber meine Möglichkeiten hier in der Schweiz sind begrenzt.
Darum bitte ich euch von Herzen um Unterstützung. ❤️
Mit eurer Spende helft ihr meiner Familie,
• in Sicherheit zu gelangen (temporär),
• eine Unterkunft in Bamako zu finden,
• das Nötigste zum Überleben zu sichern,
• und – falls nötig – eine sichere Flucht nach Mauretanien vorzubereiten.
Jeder Beitrag, egal wie klein, macht einen Unterschied.
Ich danke euch von Herzen für eure Solidarität, euer Mitgefühl und eure Hilfe in dieser schweren Zeit.




