Hallo, mein Name ist Chiara.
Im Zusammenhang mit meinem zivilgesellschaftlichen Engagement für Klimagerechtigkeit führt die Bundespolizei ein Disziplinarverfahren gegen mich. Seit über einem Jahr arbeite ich ausschließlich ehrenamtlich, habe kein Einkommen und nun sind meine Ersparnisse aufgebraucht
Mein Konto ist leer - mein Kopf voll!
Ich bin Klimagerechtigkeitsaktivistin, Polizeibeamtin, Buchautorin, Vereinsvorständin und Mutter einer zweijährigen Tochter. Ich geriet 2023 in die Medien, als ich mich bei der Letzten Generation engagierte und die Bundespolizei daraufhin ein Disziplinarverfahren gegen mich einleitete.
Ich möchte mich besonders deswegen da einsetzen, wo Debatten oft entlang von patriarchalen Denkmustern und Dichotomen geführt werden: Polizei vs. Aktivismus, rechtsstaatliche Ordnung vs. ziviler Widerstand, Legitimität vs. Legalität.
Ich möchte bei der Bundespolizei eine Beurlaubung über drei Jahre beantragen, um den gemeinnützigen Verein BetterPolice zu einer NGO für eine feministische und progressive Transformation der Polizei aufzubauen und um ein wegweisendes Ergebnis zu zivilgesellschaftlichem Engagement von Polizist*innen zu erreichen. Hierzu habe ich im Oktober 2025 im Fortlauf des gegen mich 2023 eingeleiteten Disziplinarverfahrens Klage gegen die Bundesrepublik Deutschland, gegen die Bundespolizei erhoben.
Ich habe seit März 2025 kein Einkommen, habe ausschließlich ehrenamtlich gearbeitet und meine Ersparnisse sind nahezu aufgebraucht - um mein Engagement fortzuführen und den Lebensunterhalt für mich und meine Tochter zu sichern, brauche ich jetzt Eure Hilfe <3
Aber von vorne...
Ich wurde 1990 in Lübeck geboren und wurde nach dem Studium bei der Bundespolizei 2013 an eine Dienststelle in München versetzt. Mittlerweile bin ich Polizeihauptkommissarin und lebe seit 2020 in Rostock. In Hannahs und meinem Buch “Gegen das Klima der Gewalt” - später mehr dazu - schildere ich, wie für mich bei meinem Wechsel von München nach Rostock sämtliche Annahmen zu Sicherheit und Gerechtigkeit in Frage gestellt wurden. In der Konsequenz setzte ich mich intensiv mit Generationskonflikten und Ost-West-Prägungen auseinander und hatte erste Kontakte zu Umwelt- und Klimainitiativen. Zwischen 2021 und 2023 engagierte ich mich ehrenamtlich bei der Initiative Plastikfreie Stadt Rostock und als Sprecherin der Cradle to Cradle-Regionalgruppe Rostock.
Besonders politisiert hat mich der europäische Umgang mit Geflüchteten. Bei der “Flüchtlingskrise” 2015 war ich am Hauptbahnhof München und bei Trinationalen Streifen mit Österreich und Italien eingesetzt und organisierte unter anderem die “Seehofer-Abschiebung” nach Afghanistan mit. Ab 2020 erlebte ich, wie der zunehmende Ausweisungsdruck skandinavischer Länder Geflüchtete nach Rostock brachte und der belarussische Machthaber Lukaschenko Menschen als politische Druckmittel nutzte.
2022 legte ich mit Unterstützung von Gewerkschafts- und Personalvertretenden sowie anderen Kolleg*innen unter großem Druck eine Dienstaufsichtsbeschwerde gegen meinen Inspektionsleiter ein und versuchte, mich auf diesem Wege einem jahrelangen Machtmissbrauch in meiner Inspektion entgegenzustellen. Die Konsequenzen, die ich darauf folgend erlebte - disziplinarische Vorermittlungen wegen des “Aufrufs zur Meuterei”, unfreiwillige Versetzungen und Rufschädigungen - lehrten mich, offen für neue Wege zu sein und darauf zu vertrauen, dass Mut, Beharrlichkeit und Freundlichkeit sich auszeichnen werden.
2023 schloss ich mich in meiner Freizeit der Letzten Generation an und koordinierte dort die Polizeivernetzung der Letzten Generation. Ich organisierte Dialogveranstaltungen zwischen Polizist*innen, Aktivist*innen und Wissenschaftsvertretenden an Polizeihochschulen, mit Gewerkschaften und auf Podiumsveranstaltungen - ein Ansatz, der feministischen Prinzipien von Austausch und gegenseitigem Verständnis entspricht und der in der öffentlichen Debatte oft fehlt.
Für mich ist die Klimakatastrophe eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, kein Anlass, um sich in gesellschaftliche Rollenbilder spalten zu lassen und falsche Feindbilder zu entwickeln. Ich öffnete Dialogräume zwischen den Gruppen, die auf der Straße aufeinandertrafen - Polizist*innen und Aktivist*innen -, um zu zeigen, dass Rechtsstaat und ziviler Widerstand keine Frage eines Entweder-Oders sind. In mehreren Veranstaltungen konnten wir beweisen, dass bei einem direkten Austausch auf menschlicher Ebene ein hohes Maß an Verständnis und Verständigung möglich ist. Eine Polizeidirektorin der Deutschen Hochschule der Polizei schrieb:
„Die Dialogveranstaltung zwischen Vertreter:innen der Letzten Generation und Masterstudierenden der Deutschen Hochschule der Polizei im Rahmen einer Wahlpflichtveranstaltung war geprägt von gegenseitigem Austausch. Wenngleich die LG-Unterstützenden ausdrücklich als Privatpersonen referierten, wurde wertschätzend aufgenommen, dass es sich bei einigen von ihnen um Polizist:innen handelte. Ein beidseitig hohes demokratisches Verständnis sorgte für eine angenehme Atmosphäre und für wertvolle und differenzierte Gespräche zu polizeilichen Aufgaben und Pflichten einerseits und zur Bedeutung der Meinungs- und Versammlungsfreiheit für Demokratien andererseits.”
Als Koordinatorin der Polizeivernetzung der Letzten Generation nahm ich mit Dienststellen Kontakt auf, um praktische Lösungen für das Bilden von Rettungsgassen bei Protesten zu entwickeln, sprach bei einer Pressekonferenz der Letzten Generation über die Vernetzungsstrukturen der Gruppe, informierte in den Medien über die mich stets begleitenden Ambivalenzen und schrieb einen Brief an den damaligen Bundeskanzler Olaf Scholz, der im September 2023 von mehr als 50 weiteren Polizist*innen mitgezeichnet wurde.
Kurz vor der Geburt meiner Tochter leitete die Bundespolizei im Juli 2023 ein behördliches Disziplinarverfahren gegen mich ein, ich erfuhr davon aus den Medien. Ermittelt wurde unter anderem wegen des Verdachts von Verstößen gegen die Wohlverhaltenspflicht, das Mäßigungsgebot und die Folgepflicht aufgrund meines Engagements bei der Letzten Generation. Im März 2025 erging die Disziplinarverfügung, nach der über einen Zeitraum von 12 Monaten zehn Prozent meiner Dienstbezüge abgezogen werden sollen.
Die Bundespolizei vergleicht mein Engagement für den Klimaschutz bei der Letzten Generation mit der “Positionierung für die Ziele einer extremistischen Partei”, ich sei “aufmüpfig und unbelehrbar” und weise „offensichtlich kein grundlegendes Verständnis für den polizeilichen Vollzugsdienst, das Berufsbeamtentum sowie die Staatsordnung insgesamt vor“. Im Oktober 2025 legte ich Klage beim Verwaltungsgericht Greifswald ein. Dabei werde ich in der Sache unterstützt von der Gesellschaft für Freiheitsrechte und FragdenStaat. Anwaltlich vertreten werde ich durch Dr. Gregor Gysi, der das Verfahren als nicht ergebnisoffen bezeichnet. Das Problem sei, so Gysi, dass die Polizei „nicht akzeptieren will, dass es solche unterschiedlichen Auffassungen auch in der Polizei geben muss, weil sie anderenfalls die Gesellschaft nicht repräsentativ widerspiegelte“. Der Berliner Polizeiforscher Hartmut Aden hält es für möglich, dass es sich bei dem Disziplinarverfahren gegen mich um „einen Versuch [handelt], eine Kritikerin einzuschüchtern“.
Nach der medialen Aufmerksamkeit in Zusammenhang mit meinem Engagement und meinem beruflichen Hintergrund bekam ich 2023 die Gelegenheit, ein Buch zu schreiben. Im November 2024 veröffentlichte ich im Droemer-Knaur-Verlag zusammen mit meiner Freundin und Klimaaktivistin Hannah Lübbert “Gegen das Klima der Gewalt - Unser riskanter Einsatz zwischen Polizei und Aktivismus für eine lebenswerte Zukunft”.
Darin beschreiben Hannah und ich in der ersten Hälfte die zwei vollkommen unterschiedlichen Milieus, in denen wir uns entwickelten - Alleinerziehende Mutter vs. politisches Elternhaus, Waldorfschule vs. staatliches Bildungssystem, Studium in Polizeikasernen vs. Hausbesetzung in Lützerath, Abschiebungen nach Afghanistan vs. Hungerstreik vor dem Reichstag.
Hannah und ich lernten uns über Social Media kennen und telefonierten im Dezember 2021 das erste Mal miteinander, nachdem der Account von Hannahs Aktivist*innengruppe Inhalte mit der Kollektivbeleidigung ACAB (All Cops Are Bastards) teilte. Heute sind wir beste Freundinnen. Wie im ersten Teil ist das Buch auch im zweiten Teil wie ein Dialog aufgebaut, in dem unsere Perspektiven und Erfahrungen zu einem Austausch über die grundlegenden Probleme unserer Gesellschaft mit Strukturen, die von männlichen Annahmen und Entwürfen geprägt sind, zusammenfließen. Wir wollen auch mit ihrem Buch beweisen, dass gemeinsame Lösungen gefunden werden können, wenn man sich abseits gesellschaftlicher Rollenbilder und Vorurteile miteinander verständigt und Narrative entwickelt, die von Gleichberechtigung und Teilhabe geprägt sind.
Mein aktuelles Projekt ist der Verein BetterPolice e.V. Der Verein geht aus einer Initiative des Kriminalhauptkommissars Oliver von Dobrowolski aus 2021 hervor und beschreibt sich im Kontrast zu klassischen Berufsvertretungen wie den großen Polizeigewerkschaften als eine Bürgerinitiative, in der Polizist*innen und insbesondere Menschen, die von polizeilichen Maßnahmen betroffen sind und/oder zu gesellschaftlich benachteiligten Gruppen gehören, neue Narrative zu Sicherheits- und Polizeithemen entwickeln. Neben mir und Oliver ergänzen Sozialwissenschaftlerin Bahar Aslan und Musiker und ehemaliger Unterstützer der Letzten Generation Martin Lorenz den Vorstand des Vereins.
Am 19. Februar 2026 fand in Berlin eine Pressekonferenz statt, bei der sich der Verein der Öffentlichkeit vorstellt. Seitdem wird klar: Wir füllen eine Leerstelle! Der Zulauf an Mitgliedern reist nicht ab, mitte-links Parteien haben mit uns endlich einen seriösen Ansprechpartner für Polizei- und Sicherheitsthemen, wir planen eine Projektfortführung mit der Gesellschaft für Freiheitsrechte, bauen ein Empowerwentkonzept auf, einen Podcast, ein Werkstattwochenende, Wissensvermittlungsformate ... alles ehrenamtlich.
Ziel des Vereins ist ein feministisches Selbstverständnis in einem strukturell männerdominierten Umfeld, Betroffenheit wird zu politischer Kompetenz, Kritikfähigkeit zu besonderer Stärke. Die Polizei ist historisch und strukturell geprägt von Männlichkeitsnormen wie Härte, Dominanz, Hierarchie und Abschottung. Diese wirken sich nicht nur auf den Umgang mit Bürger*innen aus, sondern auch auf Arbeitskulturen, Aufstiegschancen, Fehlertoleranz und den Umgang mit Kritik innerhalb der Institution. Frauen, queere Personen und People of Color sind davon in besonderem Maße betroffen – sei es durch informelle Ausschlussmechanismen, Diskriminierung oder die Abwertung von deeskalierenden, dialogorientierten Kompetenzen.
In verschiedenen Formaten soll Sicherheit bei und mit BetterPolice neu gedacht werden - gerecht, deeskalierend und feministisch -, Neutralität klar abgegrenzt werden von einer Gleichgültigkeit gegenüber demokratischer Positionierung, eine politische Instrumentalisierung der Polizei verhindert und der rechts-konservativen Dominanz in öffentlichen Debatten ein Gegengewicht geboten werden.
In einer Zeit, in der das Vertrauen in staatliche Institutionen unter Druck steht und in der gerade durch die aktuellen Diskussionen rund um die US-amerikanische ICE sichtbar wird, wie dringend neue Formen von Sicherheit, Verantwortlichkeit und Miteinander gebraucht werden, wird für mich besonders deutlich, wie wichtig unsere Arbeit mit BetterPolice ist.
Mit Euren Spenden kann ich
- Drei Jahre lang BetterPolice zu einer NGO aufbauen, die nicht mehr aus dem zivilgesellschaftlichen Blumenstrauß gegen Rechts wegzudenken ist und
- den Lebensunterhalt für mich und meine Tochter bezahlen
Beigefügt findet Ihr eine ausgewählte Linksammlung mit Texten und Bildern:
Website der Letzten Generation, Polizeivernetzung https://letztegeneration.org/polizeikontakt/
Pressekonferenz der Letzten Generation, Chiara als Sprecherin für die Vernetzung
Interview bei Deutschlandfunk Kultur aus Januar 2024
https://www.deutschlandfunkkultur.de/polizistin-klimaaktivistin-chiara-malz-ziviler-widerstand-als-mittel-der-wahl-dlf-kultur-b598e35d-100.html
Buch “Gegen das Klima der Gewalt” aus November 2024
taz-Artikel über Chiara aus Dezember 2025
Pressekonferenz BetterPolice e.V. 19. Februar 2026
Website BetterPolice e.V. aus Januar 2026
Interview mit dem Polizeiforscher Rafael Behr zu BetterPolice
Ich danke Euch von ganzem Herzen für Eure Unterstützung!
Chiara



