Ich bin Lilly, 18 Jahre alt und möchte nächstes Jahr mein Abitur in Deutschland absolvieren.
Seit ich denken kann, ist es mein größter Wunsch, einmal Medizin zu studieren. Ich wollte als kleines Mädchen nie Prinzessin werden, sondern immer eine Ärztin, die mit Mut und Tatkraft Menschen heilt. Um Medizin studieren zu können habe ich meinem Realschulabschluss drei Jahre Gymnasium angehangen. Ein Studienplatz, um Medizin in Deutschland zu studieren war immer mein größtes Bestreben. Die Kosten für ein Studium an einer deutschen Universität sind sehr hoch und einen der beliebten Studienplätze zu bekommen, ohne einen 1,0 Notendurchschnitt nahezu unmöglich. Trotzdem habe ich sehr lange diesem Traum stoisch nachgejagt. Mich machte vieles traurig, als ich mich mit meiner Zukunft hier in Deutschland auseinandergesetzt habe, und daran wäre ich fast zerbrochen.
Vor ungefähr drei Jahren bin ich dann zum ersten Mal in Finnland gewesen. Einem Land was für mich sehr viel mehr als „nur eine schöne Natur“ bedeutet. Die Studienbedingungen in Finnland zur Medizin sind sehr viel zugänglicher mithilfe alternativer Auswahlverfahren. Zum Vergleich liegt der NC in Deutschland für ein Medizinstudium gerade bei 0,9 für Humanmedizin. Ich werde irgendwann Medizin studieren, da bin ich mir sicher, vielleicht sogar in Finnland, aber dafür ist es mir wichtig, dass ich die Sprache lerne. Finnland stellt für mich den Schlüssel zu etwas dar, was ich hier in Deutschland für mich nicht ohne weiteres erlangen kann. Freiheit.
Das Freiwilligenprogramm der „Freunde Waldorf“ bietet jungen Menschen die Möglichkeit, sich für mehrere Monate im Ausland sozial, pädagogisch, biodynamisch oder ökologisch zu engagieren. Die Einsatzstellen sind vielfältig, beispielsweise Schulen, Kindergärten, soziale Einrichtungen, biologisch-dynamische Höfe oder ökologische Projekte. Meine Tätigkeiten auf einem finnischen Hof passen sich dann den örtlichen Umständen an und können je nach Jahreszeit und Temperatur variieren. Die Finanzierung des Programms findet größtenteils durch staatliche Förderprogramme wie IJFD, weltwärts oder das Europäische Solidaritätskorps statt. Zusätzlich tragen Spenden und teilweise Eigenbeträge der Freiwilligen zur Deckung der Gesamtkosten, die bis zu 12.500 € betragen können, bei. Diese Kosten umfassen unter anderem pädagogische Begleitung, Organisation, Taschengeld, Unterkunft, Verpflegung sowie Reise- und Versicherungskosten.
Zentrales Prinzip des Programms ist, dass alle Menschen unabhängig von Herkunft, Religion und Geschlecht oder sozialem Hintergrund teilnehmen können. Die Organisation legt Wert auf ein respektvolles, diskriminierungsfreies Miteinander und orientiert sich an anthroposophischen Grundwerten. Als gemeinnütziges Programm arbeiten die „Freunde Waldorf“ nicht gewinnorientiert, sondern stellen die persönliche Erfahrung und die Unterstützung der Einsatzstellen in den Vordergrund. Die Freiwilligen werden individuell begleitet und sind Teil einer größeren Gemeinschaft, die Verantwortung übernimmt und solidarisch wirkt.
Was bedeutet es, frei zu sein. Es bedeutet das machen zu können, was man will und da hinzugehen, wo man will. Aber vor allem bedeutet es Freiheit zu spüren. Ich bin frei. Freiheit ist zu wissen, was man will und wohin man will. Wir schenken einander die Freiheit dazu. Ich danke Ihnen, egal was oder wie viel sie mir schenken und wenn sie nur diesen Text lesen, geben sie mir dadurch Freiheit, denn sie lesen meine Gedanken und Gefühle, meine Wünsche. Kiitos. (=fi. Danke)



