- A
- J
Liebe Freundinnen und Freunde, liebe Bekannte,
derzeit engagiere ich mich aktiv für Menschenrechte und das humanitäre Völkerrecht. Ich bin Teil einer zivilen Bewegung, die sich dafür einsetzt, dass die Grenzen für Hilfsgüter nach Palästina geöffnet werden.
In diesem Zusammenhang habe ich Issam kennengelernt – einen Familienvater aus Khan Younis. Inzwischen stehen wir täglich über Videotelefonate in Kontakt. So erhalte ich direkte Einblicke in das Leben vor Ort – in einen Alltag zwischen Trümmern, Hunger und Hoffnung. Ich sehe, wie stark der Wunsch ist, sich trotz aller Entmenschlichung wieder als Mensch fühlen zu dürfen.
Vor dem Krieg haben Musab und seine Frau gerne gekocht, gescherzt und Zeit mit Freunden verbracht. Sie liebt Musik, er ist begeisterter Fußballfan. Ihre Kinder waren neugierig, verspielt, kreativ. Heute ist davon nichts geblieben. Musabs Tage bestehen nur noch aus dem verzweifelten Versuch, wenigstens eine Mahlzeit am Tag für seine Familie und die Kinder seines im Krieg ermordeten Bruders zu organisieren.
Er kümmert sich um sieben Kinder – das jüngste ist 5 Monate alt, das älteste 8 Jahre.
Ihre Namen sind: Ahmad (8), Aseel (7), Amir (5), Asoum (5), Maram (5), Muhammad (3) und Saleh (5 Monate).
Sie lieben Fahrradfahren, Schaukeln, Malen, Lachen. Ihre Lieblingsspeisen sind Hähnchen, Fisch, Eier, Brot und Süßigkeiten. Heute haben sie nichts mehr davon. Nichts.
Ein Sack Mehl kostet mittlerweile 27 Dollar – sofern man überhaupt einen findet. Seit über zwei Monaten ist die Versorgung mit Lebensmitteln blockiert. Die Menschen sind eingekesselt. Sie hungern. Und währenddessen schauen Regierungen in Europa und den USA einfach zu. Das Völkerrecht scheint nichts mehr zu bedeuten.
Ich will nicht tatenlos zusehen. Ich will nicht so weiterleben, als geschehe all das nicht – vor unseren Augen.
Es ist erschütternd, mit jemandem zu sprechen, der zwischen Trümmern lebt. Musab hat mir per Video gezeigt, wie Khan Younis heute aussieht. Ich habe live gesehen, wie Bomben fielen. Mein kleiner Sohn war neben mir, er sah sie auch – und fragte: „Mama, was ist das?“ Kein Kind auf dieser Welt sollte diese Frage je stellen müssen.
Ich möchte Hoffnung schenken – aber ich kann das nicht allein. Ich kann die 50 Dollar, die Musab täglich für das Nötigste braucht, nicht allein aufbringen. Deshalb bitte ich euch um Unterstützung.
Was ich mich dabei oft frage:
Wovor haben wir eigentlich Angst, wenn es ums Spenden geht?
Ist uns wirklich bewusst, wie privilegiert wir sind – allein dadurch, dass wir jederzeit Wasser, Brot, Strom und Sicherheit haben?
Was verlieren wir, wenn wir teilen?
Haben wir Angst, betrogen zu werden? Woher kommt diese reflexhafte Blockade, sobald jemand um Hilfe bittet?
Macht es die Realität zu greifbar, zu schmerzhaft?
Ist es bequemer, in einer Haltung der Gleichgültigkeit zu verweilen, nach dem Motto: Was ich nicht sehe, betrifft mich nicht?
Ist es wirklich genug, sich in sozialen Medien zu empören, ein paar Stories zu teilen – und sich dann wieder dem Alltag zuzuwenden, mit gutem Gewissen?
Ich sage das nicht aus Vorwurf, sondern aus ehrlicher Verwunderung.
Denn ich weiß, wie schnell man wieder verdrängt, wie leicht es ist, wegzusehen.
Aber es gibt Menschen, die nicht mehr wegsehen können. Weil sie betroffen sind. Oder weil sie hingesehen haben – und nicht mehr wegsehen wollen.
Ich kenne Musab persönlich. Ich weiß, wo er ist. Ich habe mit ihm gesprochen, mit seinen Kindern, ich habe ihr Lachen gesehen – und ihr Schweigen.
Ich kann nicht einfach weitermachen. Und ich hoffe, ihr auch nicht.
Wer helfen möchte, kann sich gerne bei mir melden. Ich gebe euch dann alle Informationen, wie ihr direkt an Musab spenden könnt.
Vielen Dank für jede Form der Unterstützung.
Aimée
Im Anhang findet ihr Fotos unserer Gespräche, Videos aus den Trümmern von Khan Younis, Aufnahmen der Kinder – all das, was dieses Schicksal sichtbar macht.




