Hallo an alle, die den Weg hier her gefunden haben. Mein Name ist Sandy und ich habe eine typische "Glück im Unglück" Situation.
Ich überlege schon länger, ob ein Hund der richtige Begleiter für mich wäre. Kennt ihr das, wenn man immer das Beste erwartet und das Schlimmste eintritt?
Aufgrund vieler Ereignisse bin ich kraftlos & ausgelaugt, ich habe Angststörungen entwickelt in sozialen Ereignissen wie einkaufen oder Termine wahrnehmen. Ich verkrieche mich und schlafe seit Monaten nur Stundenweise.
Bei einem Gespräch mit der Psychologin wurde mir folgendes ans Herz gelegt: "Sie brauchen einen Alltag und etwas sinnvolles, für das Sie gerne aufstehen, der Rest kommt von allein".
Diese Aussage ist jetzt knapp 1 Jahr her. Einen Alltag habe ich , aber besser fühle ich mich nicht.
Als ich merkte ich bin bereit dafür, einem Lebewesen ein zu Hause zu geben stöberte ich wochenlang durch unzählige Anzeigen. NEIN! Nicht beim Züchter! Ich suchte explizit nach Anzeigen aus Tierheimen, Tierschutzorganisationen und eben auch private Anzeigen von jenen, die aus verschiedenen Gründen ihre liebsten nicht mehr halten konnten.
Kurz vor Weihnachten fand ich einen Aufruf:
"Liebenswerter Rocky sucht neues zu Hause" .
Das Bild war zum verlieben , doch der Hund auf dem Bild sah abgemagert aus. Ich schrieb die Person an und fragte, was es mit der Anzeige und dem Hund auf sich hat, es waren schließlich kaum Informationen hinterlegt außer "schlechte Haltung, verängstigt, Tierschutzmaßnahme".
Die Dame meldete sich schnell zurück und wir telefonierten. Dann brach es mir mein Herz was sie zu erzählen hatte:
"Rocky ist jetzt ca 1 Jahr alt. Er wurde als Welpen in einem Keller eingesperrt und hat nur selten den Halter gesehen. Er entwickelte hier starke Angst im Dunkeln und ist Personen mit dunkler Kleidung gegenüber anfangs skeptisch. Mit ca 6 Monaten wurde Rocky dann von einer Frau aus dem Keller "gerettet". Die Frau dachte sich "kleiner süßer Hund, er wird klein bleiben und immer so süß aussehen, den muss ich haben". Doch als diese Frau merkte, dass Rocky durchs füttern weiter gewachsen ist, stellte sie die futterzufuhr drastisch ein. Rocky durfte nur dann essen, wenn er mal raus geführt wurde - und das war nicht oft. Rocky ist für seine Größe zu dünn, beim bloßen ansehen nimmt man seine Knochen wahr, wenn man ihn streichelt spürt man sie sehr deutlich. Das Gassi gehen kennt er zwar, aber ihm wurde aufgrund der Seltenheit keine Leinenführung beigebracht und ist demnach sehr unbeholfen.
Rocky mag laute Geräusche nicht. Er bellt und verfällt in Angst , zittert bei Unsicherheit und sucht Schutz. Er kennt andere Hunde und generell ist nichts wie beißen bisher bekannt. Er wurde dem Tierarzt nur einmal vorgestellt, dort erhielt er seinen Chip, mehr war er den beiden Vorbesitzern nicht wert."
Die Dame am Telefon hat so viel erzählt, dass ich nicht anders konnte als zu sagen "ich rede mit meinem Mann und wenn er das Go gibt, nehmen wir ihn".
Das klingt jetzt egoistisch, aber ich war mir sicher dass Rocky mir aus meinem Loch helfen kann. Warum?
Er würde mir eine Aufgabe geben, einen Grund unter Menschen zu kommen, mehr an der Luft zu sein und so blöd es klingt, eine Orientierung geben. Menschen denen vieles widerfahren ist fehlt oft Orientierung. Manchen hilft es unter Menschen zu sein, ich als Extrovertierte finde den Gedanken eines tierischen Partners toll! Durch meine Vorkenntnisse aus meiner ehrenamtlichen Hilfe im Tierheim wusste ich also auch, worauf man bei ängstlichen Hunden achten sollte und dass sie viel Zeit brauchen. Diese habe ich !
Rocky ist kein direkter Tierschutzhund! Er wurde aus Tierschutzgründen von dieser Dame aus dem Haushalt geholt und hat das ganze für uns organisiert und kontrolliert. Das Tierheim oder Auffangstation wäre nicht in Frage gekommen, bei allem was er durch gemacht hat wäre er darin eingegangen. Die Tierheime sind überfüllt und fragen ständig nach Unterstützung - so entlasten wir das Tierheim mit einer Fellnase weniger und einem warmen zu Hause mehr.
Nach voller Absprache, Kontrolle und notwendigen Gesprächen wurde uns Rocky am Samstag, den 27.12.2025 gebracht. Desorientiert , ausgehungert, verunsichert und um sein Fell hatte man sich offensichtlich nicht gekümmert.
Wir nahmen ihn in Empfang und liefen eine Stunde spazieren um ungefähr einschätzen zu können, ob er auf seinen Namen reagiert, wie er mit anderen Hunden agiert und wie er mit uns umgeht.
Ersteinschätzung:
Keine Leinenführung kennengelernt. Rückruf ist fremd.
Hunde sind kein Problem.
Kleine und große Kinder sind kein Problem.
Jogger und Radfahrer sind kein Problem.
Autos und Motorräder klappen super, größere Trucks mag er noch nicht so.
Er kratzt sich ständig an der ein und selben Stelle, wir vermuten, dass er sein Geschirr auch in der Wohnung tragen musste was zu einer Art "tick" geführt hat. Er kratzt sich fast nur diese eine Stelle, im Fell konnten wir über das Wochenende nichts erkennen.
Sein linkes Ohr war sauber, sein rechtes Ohr ein wenig verkrustet. Die Zähne sehen sehr gut aus, als hätte man sie nie benutzt.
Wir mussten leider auch feststellen, dass er meinem Mann gegenüber offener ist, er zeigt die Bereitschaft bei ihm, dass er lernen möchte und hält sich seit Ankunft fast ausschließlich in seiner Nähe auf. In den ersten 24h wurde ich angeknurrt, er drehte sich ängstlich weg, ließ sich nur bedingt mal ein Leckerli von mir geben und generell kam er nur sporadisch.
Was ich aber ganz toll fand - trotz seiner Unsicherheit Frauen gegenüber gab er mir die Chance, zu zeigen, dass ich anders bin. Mein Mann ließ uns alleine im Raum, Rocky wollte hinterher, als ich ihn zurück rief, schaute er, kam zu mir und ließ sich Streicheln.
Auch das Gassi gehen mit Rocky und mir alleine verlief erstaunlich gut. Doch einmal zu laut gerufen , gehustet oder das falsche Wort gesagt merkt man seine Unsicherheit, er versucht dann einen großen Bogen zu machen und in geduckter Haltung weg zu gehen.
Uns wurde ja mitgeteilt, dass er nur in seiner Ecke liegen durfte, also müssen wir stark darauf achten, neue Kommandos zu lernen und nicht die alten trigger zu nutzen. An Stelle von "mach Platz" nutzen wir z.b "leg dich hin" und wenn er will, klappt das gut.
Was muss dieser kleine Schatz erlebt haben, dass die bloße Anwesenheit einer Frau solchen Stress in ihm auslöst?
Rocky muss dringend einem Tierarzt vorgestellt werden. Er braucht alle Impfungen, einen allgemeinen Check und ggf weitere Untersuchungen bzgl Mangelerscheinungen und Krankheiten. Auch würden wir gerne einen Gen Check machen um zu wissen, mit welcher Rasse wir es genau zu tun haben um hier notwendige Vorsorgeuntersuchungen machen zu können. Aufgrund der schlechten Haltung müssen wir uns auf alles gefasst machen.
Wir übernehmen selbstverständlich alle laufenden Kosten wie Futter , Spielsachen , Versicherung usw.
Die schlechte Haltung hat allerdings Spuren hinterlassen, die eine große Herausforderung für uns darstellt.
Wir wissen, es gibt Menschen da draußen die sich jetzt fragen: "Warum nehmt ihr einen Hund auf, wenn ihr nicht alle Kosten alleine Stämmen könnt?".
Ganz einfach. Unser Herz war größer als der Verstand und der Geldbeutel.
Rocky wird bei uns eine Haftpflichtversicherung und Tierarztversicherung erhalten. Diese zahlen wir komplett selbst, um im Falle von zusätzlicher Belastung abgesichert zu sein.
Schäden aus der Vergangenheit müssen dennoch schnellstmöglich behandelt und versorgt werden um ihm das bestmögliche Erlebnis schenken zu können.
Mein Mann ist aufgrund eines Unfalls im letzten Jahr noch bis auf weiteres arbeitsunfähig. Ich alleine kann all das, was Rocky zusätzlich mitbringt derzeit nicht stämmen. Ich habe nie nach Hilfe, Geldern oder Sachspenden gefragt. Ich habe alles immer mit mir selbst ausgemacht und auch wenn es schwer war hab ich nie um Hilfe gebeten.
Wenn Rocky mich ansieht , sehe ich seinen Kummer , seinen Schmerz. Aber ich sehe auch seine Freude und den Versuch anzukommen.
Wir haben ihm versprochen, dass ab jetzt alles besser wird. Dass wir ihm ein zu Hause geben werden, für dass es sich lohnt sich anzustrengen und viele Leckerlis zu erhalten. Und wenn wir die notwendigen Spenden zusammen bekommen und alles beim Tierarzt machen können, können wir ihn sogar, sollte er gut auf uns zu sprechen sein, für immer behalten.
Denn das, was der Tierschutz für ihn als Schutzgebühr nehmen würde wäre das, was letztlich alles anfallen würde.
Ich habe seit langer zeit wieder ehrlich lachen können. Ich war in 24h mehr draußen als ich in einigen Monaten war (wenn man Termine weg denkt). Rocky gibt mir das Gefühl, dass diese Herausforderung genau jetzt unglaublich wichtig für uns beide ist. Und auch meinem Mann tut er unglaublich gut. Man könnte sagen, durch Rocky entsteht das Leben - welches vorher verloren gegangen ist. Wir wollen das nicht mehr verlieren.
Gibt es da draußen Menschen mit Herz, die Rocky unterstützen können?
Rocky ist ca 50cm Schulterhoch . Für Sachspenden werde ich eine Packstation hinterlegen. Futter haben wir gekauft und ganz viel von unseren Nachbarn im Ort bekommen, die davon mitbekommen haben.
Jetzt fehlen nur noch ein paar Kleinigkeiten.
Danke für eure Zeit, eure Unterstützung und das teilen !
Sollten Gelder übrig bleiben werden diese 100% für Rocky zur Seite gelegt oder Dinge für ihn gekauft, die er noch benötigt!



