Ein Stück Freiheit zurück ins Leben

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Hallo ich heiße Patrick Reinhardt, momentan noch 40 Jahre, komme aus Kutzleben und war viele Jahre mit dem LKW unterwegs. Vielleicht kennt mich der/die eine oder andere sogar: Freitags stand mein Truck öfter unter dem Kindergarten und sorgte dort auch ab und zu für leuchtende Kinderaugen.

Wenn Kinder neugierig gefragt haben, durften sie selbstverständlich auch mal durch den LKW klettern, hupen und alles anschauen. Diese Momente waren für mich immer etwas Besonderes.

Es war ein Job, den ich geliebt habe.


2020 wurde dann eher zufällig ein Riss in meiner Lunge entdeckt. Vermutlich war die Ursache ein heftiger Stoß, möglicherweise ein Sturz vom Auflieger ein gutes halbes Jahr zuvor. Ab diesem Moment änderte sich mein Leben grundlegend.


Es folgte eine erste, sehr große Operation von über neun Stunden und unzählige weitere operative Eingriffe innerhalb eines Zeitraums von sieben Wochen: Drei Rippen wurden entfernt, Muskulatur verlegt und ein sogenanntes Thoraxfenster angelegt. Über ein Jahr lang kämpften Ärzte, Pflegekräfte und ich gemeinsam gegen einen hartnäckigen Krankenhauskeim. Dank eines engagierten Pflegedienstes und einer außergewöhnlich guten Wundschwester gelang es schließlich, die Infektion in den Griff zu bekommen.


Daraufhin wurde versucht, das Thoraxfenster wieder zu schließen. Dafür mussten weitere Rippen und ein Teil des Schulterblatts entfernt werden. Leider hielt dieser Zustand nur drei Tage. Durch eine erneute Keiminfektion musste der Brustkorb wieder operativ geöffnet werden.


Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich fest daran geglaubt, irgendwann wieder in meinem LKW sitzen zu können. Doch wenn man seinen Beruf, seinen Arbeitgeber und die Kollegen liebt und trotzdem akzeptieren muss, dass es nicht mehr sein soll, dann ist das ein schmerzhafter Prozess. Irgendwann musste ich mich damit abfinden und die Situation annehmen.


Seit Mai 2020 verbringe ich jeden einzelnen Tag entweder in Kliniken oder zuhause, im selben Bett, in denselben vier Wänden. Eine Ausnahme war eine Woche an der Ostsee im Jahr 2024 mit meiner damaligen Freundin.

Ansonsten bestimmt die medizinische Versorgung mein Leben: Täglich kommt der Pflegedienst, um meine offene Wunde zu reinigen. Mit einer langen Zange und in Wundspülung getränkten Kompressen wird der Brustkorb mehrfach ausgewischt, anschließend werden zwei jeweils 90 cm lange Bauchtücher tief in den Brustkorb eingelegt. Manchmal fühlt es sich an, als würde ich wie ein Teddy ausgestopft. Alles muss dabei so steril wie möglich ablaufen.


Die offene Wunde raubt mir sehr viel Kraft. Es kostet mich jeden Tag Energie, überhaupt am Leben teilzunehmen. Oft fehlt mir schlicht die Kraft für Aktivitäten, die für andere selbstverständlich sind. Auch einfache Dinge werden schnell zu einer Belastung.


Es ist nicht schön, aber auch damit habe ich mich arrangiert. Es gehört nun zu meinem Leben dazu. Normales Duschen oder ein Bad sind nicht mehr möglich – selbst an der Ostsee war beim Wasser bis zu den Oberschenkeln Schluss.


Vielleicht wird dadurch verständlich, in welcher Situation ich mich befinde und warum ich mich mit dieser Bitte an euch wende.


Trotz allem gibt es auch Lichtblicke. Seit etwas mehr als einem Jahr arbeite ich an drei Tagen in der Woche jeweils 2,5 Stunden am Empfang der Praxis NeuroFit in Bad Tennstedt. Zum einen als kleiner Hinzuverdienst zu meiner Rente, vor allem aber, um unter Menschen zu kommen, rauszukommen und wieder etwas leisten zu können – um sich gebraucht zu fühlen. Rückblickend kann man wohl sagen, dass mir diese Chance das Leben gerettet und mich aus einem sehr tiefen Loch geholt hat.


Danke, Micha. Danke, Sina.


Kurz gesagt: Ich wünsche mir, wieder etwas mehr Spontanität und Freiheit in mein Leben zu bringen.


Ich habe es immer geliebt, im LKW zu schlafen – die Geräusche der Nacht, das Gefühl unterwegs zu sein und die Gewissheit, nie zwei Tage am selben Ort zu verbringen. Ein kleines Stück davon möchte ich mir zurückholen.


Mein Wunsch ist ein Kastenwagen oder Van selbst zum Campen auszubauen. Nichts Großes, kein Luxus, kein Luxusurlaub. Einfach die Möglichkeit, nach dem Besuch des Pflegedienstes sagen zu können:

„Ich fahre jetzt los.“


Irgendwo anhalten, den Tag und die Nacht dort verbringen und am nächsten Morgen wieder nach Hause fahren. Oder, wenn es geplant ist, vor Ort einen Pflegedienst für die notwendige Wundversorgung organisieren.


Dieser kleine Schritt würde mir ein großes Stück Selbstbestimmung zurückgeben.


Ich habe mein Leben lang versucht, alles selbst und allein zu regeln. Hilfe anzunehmen fiel mir nie leicht. An diesem Punkt komme ich jedoch allein nicht mehr weiter.


Es fällt mir alles andere als leicht, diese Kampagne zu starten. Ich weiß, dass es viele Anliegen gibt, die mindestens genauso wichtig oder vielleicht sogar wichtiger sind als meines. Niemand ist verpflichtet, mir zu helfen. Jede Unterstützung ist freiwillig und ich bin für jedes Lesen, Teilen oder Helfen sehr dankbar.


Danke für deine Zeit

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Patrick Reinhardt
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