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Die neue ARD-Dokumentation „Being Jérôme Boateng“ wirft viele Fragen auf.
Sie erzählt fast ausschließlich seine Geschichte –
und lässt eine andere, zentrale Perspektive nahezu ungehört.
Darüber müssen wir sprechen.
Über Macht.
Über Ungleichheit.
Über patriarchale Strukturen, in denen Männer mit Status, Geld und medialer Reichweite
familiäre Konflikte dominieren können —
selbst dann, wenn gerichtliche Fakten eine andere Sprache sprechen.
Denn selten wird so deutlich wie in dieser Doku,
wie schnell eine öffentliche Erzählung kippen kann,
wenn die Ressourcen ungleich verteilt sind.
Vergangene Woche ist die ARD-Dokumentation „Being Jérôme Boateng“ erschienen.
Ein Format, das Teil einer Heldenreihe ist, nicht einer kritischen journalistischen Aufarbeitung.
Eine Doku, die ein hochkomplexes Gewalt- und Sorgerechtsgeschehen nahezu ausschließlich aus der Perspektive eines Mannes erzählt — und dabei journalistische Mindeststandards mehrfach unterläuft.
Besonders schwer wiegt, dass diese Fehler in einer öffentlich-rechtlichen Produktion passieren.
Die ARD trägt einen klaren Auftrag: journalistische Sorgfalt, Ausgewogenheit und den besonderen Schutz von Betroffenen und Kindern.
Doch in „Being Jérôme Boateng“ wurden diese Grundsätze verletzt.
Die Zwillinge wurden – trotz gemeinsamer Sorge, trotz eines klaren anwaltlichen Hinweises und trotz der ausdrücklichen Bitte der Mutter – im Film gezeigt und als Teil des Erzählstrangs verwendet.
Aussagen über Sherin und die Kinder blieben stehen, ohne dass sie oder ihr Umfeld dazu befragt oder mit den Behauptungen konfrontiert wurden.
Wenn Medien ihre Verantwortung verfehlen, verstärken sie Ungleichheit, statt sie zu beleuchten.
Damit wird nicht nur Boatengs Macht gestützt, sondern die strukturelle Unterlegenheit von Frauen und Kindern vertieft.
Öffentlich bekannt und rechtlich bestätigt ist:
Jerome Boateng wurde wegen Körperverletzung gegenüber seiner ehemaligen Lebensgefährtin Sherin S. verurteilt.
Beide haben das geteilte Sorgerecht.
Trotzdem ist der letzte offizielle Umgang mit den Kindern dreieinhalb Jahre her.
Nicht, weil sie kein Recht darauf hätte.
Sondern weil ihr gegenüber jemand steht,
dessen finanzielle, juristische und mediale Möglichkeiten
unerschöpflich sind —
und weil Sherin trotz dieser Ungleichheit sogar verpflichtet wurde, Unterhalt an Boateng zu zahlen.
Sherins Fall ist persönlich —
doch er steht exemplarisch für ein strukturelles Problem:
Wenn Macht, Geld und Aufmerksamkeit ungleich verteilt sind,
stehen Frauen selbst mit der Wahrheit und dem Recht auf ihrer Seite
oft auf einem schwächeren Fundament.
Es geht nicht um Schuldzuweisungen.
Es geht um Ungleichheit.
Darum, dass Recht haben und Recht bekommen
in einem ungleichen System zwei verschiedene Dinge sind.
Darum, dass zwei Kinder Gefahr laufen, ihre Mutter zu verlieren —
nicht, weil das Gesetz es so will,
sondern weil Ungleichheit wirkt.
Weil Gerechtigkeit keine Frage des Geldes sein darf, stehen wir an Sherins Seite.
Wir sammeln Spenden für ihre anwaltliche Begleitung:
damit sie ihren rechtlichen Weg weitergehen kann,
damit zwei Kinder ihre Mutter nicht endgültig verlieren,
damit ein ungleiches Kräfteverhältnis nicht darüber entscheidet,
ob eine Mutter ihre Kinder sehen kann.
Sie kämpft für ihre Kinder.
Wir kämpfen für sie.
For Her.
With Her.
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*Hinweis:
Aus Respekt vor laufenden Verfahren, der Privatsphäre der Kinder und zum Schutz aller Beteiligten werden keine Details öffentlich gemacht.
Unser Ziel ist ausschließlich, rechtliche Unterstützung zu ermöglichen und ein ungleiches Kräfteverhältnis fairer zu machen.
FRAUEN100 versteht sich als Initiator der GoFundMe Kampagne. Alle gesammelten Spendengelder werden direkt auf das Konto von Sherin S. überwiesen.
Organisator und Spendenbegünstigter
Sherin Senler
Spendenbegünstigte

