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Witz-Verbot in der Schweiz: Staat jagt Komiker Hamza Raya
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Hamza Raya ist Schweizer Komiker. Er hat libanesische Wurzeln und ist Muslim. Jetzt hat die Zürcher Staatsanwaltschaft ein Verfahren gegen ihn eröffnet. Grund ist eine Anzeige aus Deutschland. Die Kantonspolizei Zürich hat ihn bereits zur Einvernahme vorgeladen. Sie werfen ihm vor, die Anti-Rassismus-Strafnorm verletzt zu haben, d.h. Artikel 261bis des Strafgesetzbuches.
Das Bündnis Redefreiheit hat sich entschlossen, an der Seite Hamza Rayas zu stehen. Um seine Verteidigung zu ermöglichen, führen wir eine Crowdfunding-Kampagne mit einem Zielbetrag von 35'000 Franken durch. Mit diesen Mitteln finanzieren wir die Verteidigung des Falles und werden ihn, sofern erforderlich, durch sämtliche gerichtlichen Instanzen führen.
Mit Ihrer Unterstützung können wir diesem Verfahren der Staatsanwaltschaft entschlossen entgegentreten. Gemeinsam setzen wir ein klares Zeichen, dass Satire nicht kriminalisiert und legale Meinungsäusserungen nicht durch Strafverfahren eingeschüchtert werden dürfen. Helfen Sie uns, Hamza Raya zu verteidigen, diesen Fall zu gewinnen und der Zensur eine klare Absage zu erteilen.
Es geht darum, juristisch abzuklären, ob Satire in diesem Land noch erlaubt ist oder nicht.
Der Grund für das Verfahren? Ein YouTube-Video auf Rayas YouTube-Kanal. Titel: „Rassistische Witze – Jude vs. Araber“. Darin sitzen Hamza Raya und sein Freund Sam Friedman zusammen. Sam ist Zürcher Jude, Komiker und Israeli. Die beiden machen abwechselnd Witze über Araber und Juden.
Wer diese Darbietung betrachtet, erkennt sogleich das Wesen des Unterfangens: Hier wird nicht gehetzt, sondern mit dem Feuer des Tabus gespielt. Mit jener kühnen Lust am Verbotenen, die gerade dort am hellsten leuchtet, wo die feine, bourgeoise Gesellschaft sie an ihren Dinnerpartys am strengsten untersagt.
Hier ein paar Witze aus dem Video:
- Was ist der Lieblingsfeiertag eines Juden? Aschermittwoch.
- Was ist der Lieblingssitz eines Arabers im Flugzeug? C4.
- Wie nennt man einen Araber, der auf Frauen und Männer steht? Ali-Bi.
- Warum findet in Arabien Sexualkunde- und Fahrunterricht nicht am selben Tag statt? Weil die Kamele es nicht aushalten würden.
- Wie hiess die jüdische Fernsehserie aus dem Zweiten Weltkrieg? Familien im Brennpunkt.
Das Video ist klar als Satire gekennzeichnet. In der Beschreibung steht ausdrücklich: Es ist reine Comedy, keine echten Meinungen, kein Antisemitismus, keine Islamophobie. Man kann das Video hier anschauen.
Warum diese Witze wichtig sind
Das Video wurde drei Monate nach den Ereignissen vom 7. Oktober 2023 publiziert. Die Stimmung war äusserst angespannt und die Gräben vertieften sich. Ein Araber und ein Jude nahmen dies zum Anlass, sich gegenseitig mit sehr provokativen Witzen einzudecken, dabei zu lachen und Freunde zu bleiben. Lachen verbindet wo Ideologien trennen. Feindbilder werden durch satirische Übertreibung entlarvt und relativiert.
Diese sogenannten „rassistischen“ Witze erfüllen somit eine anti-rassistische Funktion. Sie greifen die dummen Klischees auf, die in den Köpfen vieler Menschen schlummern, bringen sie ans Licht und geben sie der Lächerlichkeit preis. Indem zwei Männer, die aufgrund ihrer unterschiedlichen kulturellen und religiösen Herkunft eigentlich Feinde wären, gemeinsam über diese Klischees lachen, durchbrechen sie Vorurteile und Hassgefühle. Momente der gemeinsamen Heiterkeit sind viel effektiver als einseitig ideologisch geprägte Predigten über Diversität oder Inklusion; sie sind gelebte Brüder-lichkeit, dem Geist des Humors entsprungen.
Wer das verbieten will, der versteht nichts von Humor. Und noch weniger von Freiheit.
Satire muss aufrütteln und auch schmerzen; Übertreibungen sind das Salz und Pfeffer. Ansonsten verkommt sie zur profanen Unterhaltung für Leute ohne Herz und Verstand. Satire beinhaltet das verbale Überschreiben von moralisch/ethischen Grenzen. Wenn der Staat solche Witze verbietet, zensuriert er kritisches Denken und untersagt er das Lachen darüber.
Das ist eine gefährliche Entwicklung: Heute sind es „rassistische Witze“ unter Freunden, morgen sind es kritische Fragen zur Migration, übermorgen ist es jede unangenehme Wahrheit.
Die Anti-Rassismus-Strafnorm sollte echte Diskriminierung sanktionieren. Sie wurde bestimmt nicht erlassen, um zwei befreundete Satiriker zu bestrafen.
Die Staatsanwaltschaft und die Denunzianten missbrauchen den Straftatbestand insofern als sie den Begriff Rassismus so weit aus- und überdehnen, bis er jede Kritik beinhaltet und damit zur Bedeutungslosigkeit verkommt. Auf diese Weise schützt man die Empfindlichsten und opfert die Freiheit aller Übrigen.
Was hier wirklich passiert
Hamza Raya hat keinen Hass geschürt und nicht zu Gewalt aufgerufen. Er hat bloss mit einem jüdischen Freund zusammen über kulturelle/religiöse Klischees gelacht. In einer Zeit der Spaltung und des Hasses haben die beiden gezeigt, dass es auch anders geht, nämlich mit Humor.
Das Bündnis Redefreiheit sagt klipp und klar: Wir verteidigen Hamza Raya, weil wir die Rede- und kulturelle Freiheit, Satire und Comedy verteidigen.
Eine Gesellschaft, die ihre Komiker vor Gericht zerrt, verliert ihre Seele. Sie wird humorlos, ängstlich und autoritär. Sie verliert die Fähigkeit, über sich selbst zu lachen. Und wer nicht mehr über sich lachen darf, der darf auch nicht mehr frei denken.
Zur Person Hamza Raya:
Hamza Raya ist ein Schweizer Stand-up-Comedian, Veranstalter und Unternehmer mit libanesischen Wurzeln. Als Gründer von Raya Entertainment, dem Unternehmen hinter dem erfolgreichen Comedy-Format Dini Muetter Comedy, organisiert und produziert er Comedy-Shows in der ganzen Schweiz und bringt nationale sowie internationale Künstler auf die Bühne. Neben seiner Tätigkeit als Comedian ist er insbesondere für seine aussergewöhnliche Sprachgewandtheit bekannt und spricht über zehn Sprachen. Seine Comedy verbindet spontane Interaktion mit dem Publikum, kulturelle Vielfalt und gesellschaftliche Beobachtungen. Hamza Raya scheut sich nicht, gesellschaftliche Grenzen humorvoll auszuloten und auch sensible Themen aufzugreifen.
Seine Überzeugung ist, dass man über alles lachen darf und Humor verbindet statt trennt. Mit seiner grossen Reichweite in den sozialen Medien erreicht er Hunderttausende Menschen und zählt zu den bekanntesten Comedy-Content-Creatorn der Schweiz. Parallel dazu engagiert er sich für den Aufbau neuer Comedy-Formate und die Förderung der Schweizer Stand-up-Szene mit dem Ziel, die Comedy-Kultur in der Schweiz nachhaltig weiterzuentwickeln.
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Sollten nach Abschluss des Verfahrens oder Crowdfundings Mittel nicht benötigt werden oder Gelder übrig bleiben, fliessen diese in die Arbeit des Bündnisses Redefreiheit und kommen der Verteidigung der Meinungsfreiheit zugute.
