Ghosts along the dead track

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Fotofreunde!

Kurz:
Ich vorverkaufe meine Arbeit, um sie machen zu können. Es geht nach Sibirien - und das schon sehr bald. Ich freu mich über Support.


Lang:
In der Tundra Nordsibiriens entlang des arktischen Polarkreises liegt eines der größenwahnsinnigsten Projekte des Kalten Krieges begraben – Stalins Polarkreiseisenbahn. 1459 km lang sollte die Strecke Chum-Igarka werden und vom Ob bis zum Jenisei über den Permafrostboden führen. Von 1947 bis 1953 Jahre arbeiteten geschätzt 300.000 Gulag-Gefangene am Bau der Bahn, die ein Drittel der Menschen ihr Leben gekostet haben soll - bei neun Monaten Schnee im Jahr und Temperaturen bis minus 50 Grad. Das Gulag-Projekt trug die Bezeichnungen Nummer 501 und Nummer 503 und wurde als strategische Bahn geplant, die zu einem geplanten sowjetischen Kriegsmarine-Stützpunkt führen sollte. Sie sollte die logistische Grundlage für den Aufbau eines Verteidigungswalles bilden - im Falle eines Angriffs der USA aus dem Norden.

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Bis zu Stalins Tod im Sommer 1953 wurden knapp 600 km der Trasse fertiggestellt. Der Weiterbau wurde vom Kreml umgehend gestoppt und nur das knapp 200 km lange Teilstück Chum-Labytnangi in Betrieb genommen.

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1966 erhielt die Teilstrecke Nadym-Urengoi große Bedeutung - als bei Urengoi das zweitgrößte Erdgasvorkommen der Welt entdeckt wurde. Die verlassene Strecke wurde reaktiviert und bis zum Hafen von Jamburg am Ob-Busen verlängert. Alle anderen Teilabschnitte fielen in einen eisigen Dornröschenschlaf.

2011 bekam ein spanisches Unternehmen den Auftrag für den Bau des 390 km langen Abschnitts Labytnangi-Nadym. Damit soll nun, mehr als 60 Jahre später, der mittlere Teil des sog. Abschnitt „501“ von Stalins „Toter Trasse“ in Betrieb genommen werden. Der Wiederaufbau umfasst auch den Bau der 2,5 km langen Ob-Brücke und der 1,3 km langen Brücke für Auto- und Schienenverkehr über den Nadym. Im September 2015 wurde die Autobrücke eröffnet. 


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Auch die Deutsche Bahn steht in Verhandlungen an dem 4 Milliarden Euro schweren Großbauprojekt teilzunehmen. Die Bahnlinie wird dem Abtransport von Erzen, Öl und Gas dienen, 24 Millionen Tonnen Rohstoffe sollen hier jährlich über die Gleise rollen. Eine Fertigstellung der gesamten Bahnstrecke Salechard–Igarka ist ebenfalls für die nahe Zukunft geplant, um die großen Bodenschätze der arktischen Gebiete besser erschließen zu können.

Gleichzeitig liegt immer noch der größte Teil der Polarkreiseisenbahn nie genutzt, verfallen und von der Vegetation überwuchert in der sibirischen Tundra – die meiste Zeit des Jahres verborgen unter einer Schneedecke. Noch zeugen entlang der Trasse Wachtürme, Lager und Gräber von der Geschichte des Baus.


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Jahrzehntelang hat sich außer ein paar Abenteurern und einigen Einzelkämpfern niemand für die Strecke interessiert. Mit den neuen Bauvorhaben und dem Sterben der letzten Zeitzeugen beginnen nun die letzten topographisch verortbaren zu Zeugnisse weichen – und werden innerhalb weniger Jahre von dem neuen Bahnprojekt überschrieben sein.


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In  GHOSTS ALONG THE DEAD TRACK mache ich mich auf die Suche nach den Geistern der Geschichte, entlang der Schienen der Polarkreiseisenbahn. Beginnend südlich der Stadt Nadym, wo der gleichnamige Fluss von einer Reihe von Pipelines gekreuzt, die von den nordwestsibirischen Erdgas- und Erdölfeldern in den europäischen Teil Russlands bzw. weiter nach Westeuropa führen.


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Hier bin ich letztes Jahr im September gestartet und entlang der Bahntrasse mithilfe des Historikers Vadim Gritsenko bis zum ehemaligen Bahnhof und Lager Jaroedej gelangt. 


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Nun steht meine zweite Reise bevor - entlang der westlichen Hälfte der Linie 501, beginnend bei Salechard durch den sibirischen Winter.  Die Eisenbahnstrecke soll dabei wieder die räumliche Achse meiner Reise vorgeben – kleine Teilstücke sind mit dem Zug befahrbar, die restliche Strecke ist nur per Trekol, einer Art Monster-Jeep zurücklegbar.

GHOSTS ALONG THE DEAD TRACK ist ein antizyklischer Run aus der Gegenwart in die Vergangenheit gegen die Zeit – ein Versuch, die jahrzehntelanglang im Eis der sibirischen Tundra konservierten Überreste von Stalins „großartigem Plan zur Transformation der Natur“ zu dokumentieren, während das neue multinationale Bahngroßprojekt schon begonnen hat, sich seinen Weg über den Permafrostboden zu bahnen.


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Die Arbeit reflektiert mit künstlerischen Mitteln die fortlaufende Geschichte menschlicher Hybris und deren Opfer – entlang der Strecke einer Eisenbahn: von Stalin bis Putin zu Gazprom, von der Sowjetunion bis zu unserer heutigen globalisierten Welt, von Kalter Krieg bis Klimaerwärmung. Es wird eine Arbeit über Mensch und Natur, über Zivilisation und Fortschritt, über Industrie und Kapitalismus sein; eine Reise durch die menschenleere Tundra, die Heimat nomadischer Rentierhirten bis hin zu den Industriestädten und Gasfeldern der größten Erdgasvorkommnissen der Erde. In einem Arrangement aus Inszenierungen, Portraits und dokumentarischen Aufnahmen, aber auch gesammelten Texten, Archivfotografien und -dokumenten möchte ich nicht nur die Geschichte der Stalinbahn erzählen, bevor sie vom nächsten Kapitel der Geschichte für immer überschrieben wird, sondern auch die unserer globalisierten Gegenwart.

Topgraphisch bewege ich mich in einer der unwirtlichsten Gegenden der Welt, wo bis zu neun Monate im Jahr Schnee liegt und die Temperaturen bis -50 Grad Celsius reichen.

Für das Fotoprojekt habe ich das Grenzgängerstipendium der Robert-Bosch-Stiftung bekommen. Das ist großartig und deckt die "normalen" Reisekosten sowie Unterkunft und Verpflegung - aber nicht die Ausgaben, die nötig sind, um überall dorthin zu kommen, wo man mir regulären Verkehrsmitteln nicht hinkommt.

Nun habe ich die Chance, mich im April für eine Woche Rentiernomaden anzuschließen und mit Ihnen und ihrer Herde von über 10.000 Rentieren unterwegs zu sein zwischen Salechard und Nadym auf der Yamal Halbinsel und ihren Alltag zu dokumentieren. Danach wird mich die Reise entlang der Bahn nach Novy Urengoy führen, in das Herz von Gazprom. Und als letztes möchte ich versuchen das alte Lokdepot in Jermakovo zu erreichen. Ich werde drei Wochen unterwegs sein. Dafür muss ich mein Reisebudget deutlich aufstocken - und biete im Gegenzug große Dankbarkeit sowie meine fotografischen Arbeiten an.

- für jeden Betrag: ein dickes Danke - und eine persönliche Postkarte aus Sibirien.
- ab 50 Euro: einen Fine  Art A4-Print aus der entstehenden Fotoserie
- ab 100 Euro: einen Fine Art A3-Print aus der entstehenden Fotoserie 
- ab 250 Euro: eine limitierte Box mit sechs Fine Art A4-Prints


Was ich fotografisch sonst so mache: http://www.lovepop.de/ 


Danke!!!


Bildnachweise
Karte 1: © Westermann Verlag, Schulatlas, 1. Auflage 1970
Karte 2: http://de.wikipedia.org/wiki/Polarkreiseisenbahn / © www.FriendsOnTour.de 2017
Fotografien: © Zorana Musikic, September 2018

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