Ich mache mir Sorgen ums Studium

»Ich mache mir Sorgen ums Studium«

Ali Fattom, 24, studiert im sechsten Semester an der Universität Ulm. Er arbeitet seit März in der Notaufnahme des Universitätsklinikums Ulm, wo er Patienten auf das Virus testet

 

Als ich 15 war, erkrankte mein Vater an Krebs. Ich war derjenige in der Familie, der ihn kurz vor seinem Tod gepflegt hat. Danach stand für mich fest, dass ich Medizin studieren will – und nichts anderes. Nach meinem Abitur in Syrien kam ich 2015 allein nach Deutschland; meine Mutter und meine Geschwister habe ich seitdem nicht mehr gesehen. Anfangs habe ich in Leipzig gelebt, Sprachkurse gemacht und im Altenheim gearbeitet. Vor drei Jahren hat es dann mit einem Studienplatz in Ulm geklappt. Seitdem ist die Stadt zu meiner zweiten Heimat geworden, ich fühle mich hier unglaublich wohl.

An der Uni-Klinik Ulm jobbe ich schon lange, ich habe in der Augenklinik ausgeholfen und am Bett von Suizidgefährdeten gewacht. Als die Corona-Krise im März ausbrach, habe ich mich freiwillig in der Notaufnahme gemeldet. Ich wollte unbedingt helfen. Seit fast fünf Monaten stehe ich jetzt in einem Container vor dem Krankenhaus und nehme Abstriche. Wir testen alle Patientinnen und Patienten auf das Coronavirus, die stationär aufgenommen werden – egal ob sie wegen einer Computertomografie oder einer Krebsbehandlung kommen. Die Klinik will so verhindern, dass Patienten das Virus ins Haus tragen und es sich dort ausbreitet.

Die Arbeit macht großen Spaß, die Ärzte sind sehr nett, und der Umgang ist entspannt und kollegial. Vor allem an den Sonntagen haben wir viel zu tun, weil montags die meisten Operationen angesetzt werden. Vergangenen Sonntag haben wir zu dritt in drei Stunden bei 90 Personen Abstriche gemacht und ihre Daten aufgenommen. Unser Team hat mittlerweile viel Routine, deshalb geht das so schnell.

Viele der studentischen Aushilfen haben schon wieder aufgehört mit ihren Corona-Klinikjobs. Denn jetzt zum Ende des Semesters stehen die Klausuren an. Ich arbeite trotzdem weiterhin 20 Stunden pro Woche, weil ich meinen Lebensunterhalt verdienen muss. Vergangenes Jahr bin ich zweimal durch die Latein-Terminologie-Prüfung gefallen, seitdem bekomme ich kein Bafög mehr. Mittlerweile habe ich zwar alles aufgeholt und auch das schriftliche Physikum bestanden, aber ich hinke nun im regulären Studienplan ein Semester hinterher. Das Bafög-Amt hat meinen aktuellen Antrag deshalb gerade wieder abgelehnt. In anderen Studiengängen ist es möglich, solche Verzögerungen wieder auszugleichen – im Medizinstudium nicht.

Das alles stresst und beschäftigt mich sehr. Ich muss mich auf die Prüfungen konzentrieren, aber ich muss auch Geld verdienen. Darunter leidet mein Studium ehrlich gesagt ziemlich. Beides parallel schafft man eigentlich nicht. Ich bin mit den Online-Vorlesungen oft nicht hinterhergekommen; und häufig bin ich nach mehreren Schichten so müde, dass es mit dem Lernen nicht klappt. Bis Ende August bin ich noch an der Klinik beschäftigt, danach ist endgültig Schluss. Wie ich ab Herbst mein Studium finanziere, weiß ich nicht. Das alles macht mich wütend und traurig. Seit ich in Deutschland bin, hatte ich immer Zukunftspläne, an denen ich mich festgehalten habe. Jetzt ist da nur noch Ungewissheit.


Dieser Artikel erschien ursprünglich in der Wochenzeitung DIE ZEIT (Ausgabe 30/2020 vom 16.07.2020)“ sowie auf ZEIT ONLINE

https://www.zeit.de/2020/30/medizinstudium-corona-krise-arbeitseinsatz-krankenhaus





Liebe Leserinnen und Leser der ZEIT, 


in den letzten Tagen haben mich viele Nachrichten erreicht. Vielen Dank  für Ihre Anteilnahme und Hilfsbereitschaft, ich bin völlig überwältigt und sprachlos. Mit so etwas habe ich nicht gerechnet!

Weil viele von Ihnen mich unterstützen möchten, habe ich diese Seite eingerichtet, sodass alle sehen können, was nötig ist, damit ich mein Studium gut fortsetzten kann und was bereits an Spenden eingegangen ist.

Ich möchte gerne weiter für meinen Lebensunterhalt arbeiten, nur schaffe ich das nicht, 20 Stunden pro Woche - parallel zum Studium. Im September mache ich das mündliche Physikum, das wegen Corona verschoben wurde. Danach beginnt der klinische Teil des Studiums.

Ich werde noch 2,5 Jahre lang studieren. Für Miete, Krankenversicherung und Essen usw. brauche ich ca. 800 Euro pro Monat. Wenn für Miete und Krankenversicherung gesorgt wäre, würde mich das sehr entlasten. Ich könnte mich auf das Studium konzentrieren.

Ich danke Ihnen ganz ganz herzlich für Ihre Hilfe und Ihre Unterstützung und schaue jetzt schon viel hoffnungsvoller in die Zukunft. 


Ihr Ali Fattom

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