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Abschied von Grit - unsere Geschichte

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Teil 1 - geschrieben zwischen dem 12.11.2022 und 18.11.2022
(The English Version of our Story you can read here: Farewell to my beloved wife Grit
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Die Diagnose
Es begann zu Beginn der Ferien, dass uns alle Omikron heimsuchte und uns 14 Tage unserer Ferien nahm. Bei meiner Frau setzten sich Long Covid Symptome ein. Dass dachten wir jedenfalls.

Ende August gingen wir zu ihrer neuen Hausärztin, die sie nach einer Blutuntersuchung umgehend zu einem Komplett-Check ins Krankenhaus schickte. Während unsere gemeinsame Tochter und ich den ganzen Tag darauf warteten, sie abholen zu können.

Als ich dann ins Krankenhaus fuhr, um sie abzuholen, dauerte es nochmals fast 2 Stunden. Nach über einer Stunde des Wartens bahnte ich mir meinen Weg zu ihr durch, um sie dann persönlich aus dem Untersuchungsraum abholen zu können.

Als ich dann meine Frau sah, war ihr Blick traurig und verwirrt zugleich. Die Ärztin kam dann zu uns und sagte mit zittriger Stimme, dass wir umgehend am nächsten Tag - es war bereits spät abends - zum nächsten Brustzentrum gehen müssten. Dies hätte keinen Aufschub zu haben. Das taten wir dann auch.

Von der Diagnose bis zum Zeitpunkt ihres dramatischen Todes waren es nur knapp 2 1/2 Monate.




Einen Trost erfuhren wir erst kurz nach ihrem Sterben, nämlich dass sie ohne die Chemotherapie noch früher verstorben wäre.

So konnten wir noch ihren größten Wunsch erfüllen: Sie konnte bei der Hochzeit ihres ältesten Sohnes aus erster Ehe dabei sein.

Der Weg
Die Tage von der Einlieferung in die Notaufnahme Anfang November eines Donnerstags bis zu ihrem letzten Atemzug vergingen schnell und waren kurz. Für uns, die wir an ihrer Seite standen und noch auf ein Wunder hofften, wurde jegliche Hoffnung bereits am Freitagabend genommen. Die Ärzt:innen und das Personal waren sehr lieb und unterstützend.

Selbst als sie auf die Palliativ-Station kam und uns mit halb offenen Augen wahrzunehmen schien, freuten wir uns, in der Hoffnung, es gäbe noch eine weitere Zeit sich zu unterhalten und anders Abschied zu nehmen.

Wir wichen nicht mehr von ihrer Seite. Bis zu 7-8 Stunden waren wir Tag und Nacht bei ihr und hofften auf ein Wunder. Die Mitarbeiter:innen und Ärzt:innen standen uns mit ihren Gesprächsangeboten zur Seite. Sie spielten meditative Musik und Meeresrauschen von der CD ab. Selbst Rosenduft über einen Aromazerstäuber war im Zimmer dezent zu riechen. Alles was unsere geliebte Grit liebte.

Es half ein wenig, das Warten zu erleichtern und die Realität, die uns gegenüber eine ganz andere war, zu ertragen. Während ich mich darauf vorbereitete, sie zum Zeitpunkt ihres letzten Atemzuges in meinen Armen zu halten, um sie hinüber begleiten zu wollen, gab meine Tochter die Hoffnung nicht auf, auch wenn sie langsam realisierte, dass es keine Hoffnung mehr gab.

Einige Mitarbeiter:innen (Ärzte, Priester und Schwestern) der Palliativ-Station erzählten uns unabhängig voneinander, dass sie oft erlebt hätten, dass Menschen dann gehen, wenn die Liebsten ihres Herzens nicht in ihrer Nähe seien, dann auch gehen würden und könnten.

So geschah es dann auch, dass wir am Dienstvormittag bei ihr waren, sie mit ihren halboffenen Augen sahen und in uns die Hoffnung wieder erneut aufflammte.
Sie stöhnte und holte immer wieder Luft. Ich strich sanft mit meiner Hand über ihre rechte Wange und sagte, um ihr das Gehen zu erleichtern: “Schatz, wir sind hier, wir sind bei Dir und Du darfst jederzeit gehen, denn außer Schmerz hält Dich nichts mehr. Wir lassen Dich los.“
Tränen flossen über unseren Wangen und wir umarmten sie nochmals ganz fest.

Ihre Mutter und Kinder aus erster Ehe begleiteten uns. Diese hatten uns mit ihrer Anwesenheit nicht nur unterstützt, sondern es wollte jeder von ihnen in dieser Zeit noch persönlich Abschied nehmen.

Das Ende
Meine Tochter und ich beschlossen kurz nach Hause zu fahren, um etwas noch zu holen. Wir hatten es nicht weit und wollten innerhalb von 15 Minuten wieder da sein.

Als wir dann auf der Rückfahrt zum Krankenhaus waren, bekamen wir kurz vor dem Eintreffen die Nachricht, dass wir uns nicht mehr zu beeilen bräuchten. Sie hatte ihren letzten Atemzug ohne uns getan. Was uns im Vorfeld signalisiert wurde, trat tatsächlich ein. Sie ging, als wir nicht da waren.

Mir kamen die Tränen und diesmal war es meine 16-jährige Tochter, die mich fest in ihren Armen hielt.

Im Krankenhaus angekommen, nahmen wir eine sehr friedliche und liebevolle Atmosphäre war. Und jeder, der uns entgegenkam, sprach sein Beileid uns gegenüber aus oder nahm uns einfach wortlos in seine Arme.



Und das war Grit



Meine liebste Grit, Ehefrau, liebende Mutter und Selbstständige nahm von uns Abschied, wo wir dieses Jahr noch einige Pläne für 2023 und die Zeit danach geschmiedet hatten. Selbst kurz vor ihrer Einlieferung wünschte sie sich, mit ihren Freundinnen lange Spaziergänge und gemeinsam Sport zu unternehmen. Sie wollte es in kleinen Schritten angehen. Ihre Freundinnen liebten ihre Bescheidenheit und Großzügigkeit. Und sie sahen, wie eng wir zu dritt miteinander verbunden waren. Was meine Liebste am meisten traurig machte in den letzten Wochen, war, dass sie ihr Versprechen, welches sie meiner Mutter bei ihrem Tod gab: auf mich ein Leben lang aufzupassen, nicht mehr einzuhalten vermochte. Jetzt sind wir zu zweit.

Sie war jemand, der sich gegen Ungerechtigkeiten einsetzte, für Orang Utas spendete, unserer Tochter eine Patenschaft für ein indisches Mädchen schenkte. Sie liebte und lebte uns Nachhaltigkeit auch mit ihrem kleinen Unternehmen für Bio-Bekleidung vor. 2017 wurden ihr ihre Abfindungen von Herstellern mit fadenscheinigen Gründen vorenthalten. Den Kampf, diese einzufordern, gab sie wegen der hohen Gerichtskosten im EU Ausland auf.

Dies stürzte uns auch noch in ungewollte Außenstände. Sie wollte nur noch ihren persönlichen Frieden. Diese Bescheidenheit und innere Weisheit kam nicht von ohne aus ihrem Leben. Sie wuchs in der damaligen DDR auf, heiratete und bekam 3 Kinder. Auch hier entzog sie sich bei der Scheidung einem Rosenkrieg, indem sie dem Druck nachgab und für die Kinder auf alles verzichtete, nur um nicht das Sorgerecht zu verlieren. So war sie. Mehr für andere da als für sich selbst. Aufopfernd, liebevoll und großzügig. Immer abwägend mehr für den inneren und äußeren Frieden zu geben und für andere zu kämpfen als für sich selbst. Sie war eine große Stütze, eine Säule des Lebens für mich, unsere Tochter, ihre anderen Kinder. Anfang August bekam sie sogar ein Arbeitsangebot, was sie gerne annehmen wollte, weil mein Einkommen alleine derzeit nicht ausreicht und ihr kleines Unternehmen durch die Pandemie und dann noch die Energie- und Umweltkrisen keine Chance mehr zum weiterbestehen hatte. Die Diagnose verhinderte letztendlich die Aufnahme der Arbeit.


Unsere Realität
Dieses jähe plötzliche dramatische Ereignis, das den Verlust unseres geliebten Menschen zur Folge innehat, stürzt uns jetzt in ein finanzielles großes Loch, das wir aufgrund meiner Schwerbehinderung, entstanden durch Kinderlähmung mit einem Grad der Behinderung von 90%, und nun durch die Spätfolgen weiter fortschreitet und daher gar nicht ohne Unterstützung füllen können werden. Darüber hinaus trifft es unsere Tochter mit ihren 16 Jahren sehr hart, denn sie befindet sich in ihrer Abiturphase und wird nächstes Jahr im Sommer mit der Schule fertig sein, um dann in eine Ausbildung bzw. Studium gehen zu können.


Die Ausbildung unserer Tochter
Wir hatten vor, dass sie nicht nur ihre Ausbildung und Studium nächstes Jahr beginnen kann, sondern auch im Büro von meiner Frau mitarbeitet. Unsere Tochter will nach ihrem Abitur neben der Ausbildung und Studium das Büro und die kleine Firma ihrer Mutter übernehmen und weiterführen.




Unsere Tochter möchte sehr gerne Fotografin werden und auch Kommunikationsdesign studieren. Die Liebe zur Fotografie und Kunst hat sie von ihrer Mama geerbt. Der Einfluss von uns und insbesondere ihrer geliebten Mutter, ihre Träume in ihrem Leben zu verfolgen und wahr werden zu lassen, war immer sehr wichtig für sie. So liebt es unsere Tochter Bilder zu malen, Grafiken zu zeichnen und zu fotografieren. Und genau da möchte sie auch von Herzen hin.

Polio, Post Polio und der finanzielle Abgrund, an dem wir stehen
Was mich betrifft, so weiß ich nicht, wie lange ich weiter arbeiten können werde. Seit über einem Jahr warte ich auf einen neuen Rollstuhl mit Motorunterstützung, da ich 2020 durch eine Überlastung meiner Arme an der rechten Schulter einen Rotatoren-Manschetten-Riss hatte, der zwar erfolgreich operiert werden konnte, aber die Kraft in meinen Armen liess durch das weiter fortschreitende Post Polio Syndrom nach.



Dabei handelt es sich um eine Verschlechterung der Muskulatur und Nerven, sodass ich unter schwindender Kraft in Armen und Beinen leide. Aber nicht nur da äußern sich die Spätfolgen einer Kinderlähmung, sondern auch in der Atmung und Konzentration und einigen anderen körperlichen Funktionen.

Ich wuchs mit Kinderlähmung auf und mit 13 Jahren verbrachte ein ganzes Jahr in Berlin im Oskar-Helene-Heim auf der Kinderstation, wo ich in diesem Jahr mehreren Operationen unterzogen wurde, um in Zukunft keine Beinschiene mehr tragen zu müssen. Es folgten Gehstützen und später reichte sogar ein einfacher Gehstock und orthopädische Schuhe zur Stabilisierung meiner Füße aus.




Doch seit 2008 gehe ich wieder mit Gehstützen und seit 2020 brauche ich einen Rollstuhl, wenn ich weiter als 20 Meter laufen möchte. Meine Arme sind überlastet, meine Beine können mich nicht mehr tragen. Die Muskulatur der Beine krampfen abends. Im Haushalt kann ich schon eine ganze Weile nicht mehr mithelfen, so wie ich es früher getan hatte. Die Müdigkeit trotz ausreichenden Schlafes überkommt mich mehrmals am Tag. Was daher alles noch kommen wird und wie es meine Arbeitsfähigkeit zur Einkommensgenerierung weiter negativ beeinflussen wird, möchte man nicht denken.





Meine geliebte Frau und ich waren immer füreinander da. Sie war mir hier immer eine große Hilfe. Sie war meine ständige Begleitung. Z. B. hob sie den Rollstuhl ins Auto, schob mich, wenn ich nicht mehr die Kraft hatte selbst zu rollen. Ich kochte für sie und meine Tochter und beriet sie in ihren Social Media Plänen. Wir gingen gemeinsam einkaufen und fuhren oft gemeinsam unsere Tochter in die Schule oder holten sie auch gemeinsam ab. Wir machten Pläne, wohin wir gerne noch verreisen wollten, wenn die Pandemie endgültig ihr Ende gefunden hat. Sie überlegte noch während der letzten 2 Monate, wenn sie wieder genesen sein würde, mit einer guten Freundin wieder gemeinsam Sport anzufangen. Sie begann Mandalas auszumalen und entdeckte dies für sich als ein neues und schönes Hobby. Darüberhinaus liebte sie unsere Hündin sehr. Diese gab ihr unglaublich viel Freude und Kraft.



Worüber sie sich aber auch schon sehr lange Zeit sorgte war, dass ihr Online Shop bereits eine ganze Weile nicht mehr genügend Einkommen generierte, sodass ich seit einem Jahr bereits mein Erspartes einsetzte, um das Büro aufrecht erhalten zu können. Diese sind nun mittlerweile komplett aufgebraucht.

Über eine Vorsorge unterhielten wir uns nie und auch nicht über eine Bestattung, denn wir gingen nicht davon aus, dass sie vor mir aus dem Leben scheiden würde. Das volle Gegenteil war der Fall.

Vor Jahren jedoch sprachen wir darüber, welche Kulturen ihre Menschen wie bestatten, da war sie der hinduistischen Weltanschauung und von deren Ritualen sehr angetan. So äußerte sie sich, dass eine Feuerbestattung dem sehr nahe kommen würde und sollte der Fall irgendwann einmal eintreten, dann solle ich für sie entscheiden.


Sie liebte die Natur und wir gingen täglich mit unserer Hündin im Wald spazieren. Aber sie liebte auch die Ostsee und die Wanderungen am Strand.


So werden wir uns im Prozess der Entscheidung welche Art von Bestattung es sein wird noch mit auseinandersetzen. Ob Baum, Platz oder Seebestattung wird sich im Laufe der nächsten Zeit noch entscheiden. Ich weiß nur eines, dass wir spätestens 2024 an die Ostsee ziehen wollten, weil es unser Traum war und wo wir sehr glücklich gewesen wären. 
Was dem Nahe liegt und unserer Entscheidung wo wir sie verabschieden wollen, unterstützen wird. Zu welchem Ergebnis wir auch kommen werden, so wird dies von meiner Tochter und mir für sie der letzte Akt unserer tiefen Liebe und Zuneigung zu ihr sein.


Unser finanzieller Wunsch für die Gegenwart und für die Zukunft

Um nun die Kosten für eine liebevolles und würdige Bestattung vornehmen zu können, die sich auch meine Frau mit Sicherheit gewünscht hätte und die Ausbildung und das Studium unserer 16-jährigen Tochter und ihre Zukunft zu sichern, retten uns 50.000 Euro.

Diese Summe würde uns helfen, nicht nur die Beerdigungskosten in Höhe von geschätzten 6000-7000 € zu decken, sondern auch die Ausbildung/Studium unserer Tochter im ersten Jahr und auch das Büro für mindestens 2 Jahre weiterzubetreiben und um auch etwaige entstandene Außenstände damit aufzufangen. So hätten wir damit die Chance, unser Leben wieder auf ein neues Fundament aufbauen und gestalten zu können.

Hier eine Transparenz der ca. zu erwartenden, die sich innerhalb der Positionen verschieben können, was keinen Einfluss auf die Gesamtsumme ausmacht, auf die wir angewiesen sind):

Geschätzt 7.000 € Beerdigungskosten (ca. 4.000 € Bestatterkosten, ca. 1.000 - 2.300 € Urnenbegräbnis am Baum oder Platz). 

Geschätzt 14.000 € Schul- und Ausbildungskosten bis 2026 für unsere Tochter.

21.600 € Bürokosten für 2 Jahre

Geschätzt 7.400 € Zusatzkosten für Rollstuhl, REHA-Kosten und medizinische Untersuchungskosten von Post Polio Syndrom Spezialisten im In- und Ausland (keine Kassenübernahme)

Meine Tochter und ich hatten überlegt, einen schönen Baum auszusuchen. Einen der noch nicht allzu groß gewachsen ist bzw. noch wachsen wird. Einen mit vielen Verästelungen, die sich dann zu einer Krone zusammenfügen und dessen gelbbraune Blätter in der Herbstsonne zu einem goldenen Schimmer werden. Das liebte sie als sie noch unter uns war.




Danke

Alle SpenderInnen danke ich jetzt schon im Voraus und werde, wer es wünscht in einem persönlichen Kontakt über unsere Lebenssituation und den Einsatz der Spenden transparent auf dem Laufenden halten.



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Teil 2
geschrieben zwischen dem 20.12.2022 und 20.01.2023 veröffentlicht am 01.2.2023
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11 Wochen danach
Nun sind es fast 11 Wochen her, dass meine liebste Grit und die tollste Mama für meine Tochter, verstarb. Es brauchte etwas Zeit bis ich die Zeit nach ihrem Tod bis jetzt erneut in Worte zu fassen, um diese für Euch niederzuschreiben, die Ihr alle so wundervoll an meiner und der Seite meiner Tochter gestanden habt und immer noch steht, damit wir die schönen Erinnerungen und die plötzlich über uns hereinfallenden Momente tiefer Traurigkeit überwinden können. Jetzt erfahrt ihr wie unsere Geschichte weiter ging!

Auch möchte ich nochmals mich herzlichst bedanken, dass wirklich sehr viele Zuwendungen eingegangen sind und wir 1/4 des Ziels bisher erreicht haben. Dies hat uns bisher sehr geholfen. Jetzt sind die weiteren aufkommenden Kosten - wie im ersten Teil beschrieben - zu bewältigen. Ich bin sehr zuversichtlich.

Daher meine Bitte: Wer auch immer von Euch es innerlich verspürt unsere Geschichte als Mutmacher für andere, die sich auch in solch herausfordernden emotionalen und schweren Situationen wiederfinden, mit ihnen zu teilen, möge dies gerne von Herzen tun und den Link gerne weiterleiten.

In Liebe und Dankbarkeit
Viney (29.01.2023)


Was in den Wochen vorher geschah:
Wir bekamen sehr viel Unterstützung von wirklich außergewöhnlichen Menschen. Nicht nur finanzielle Zuwendungen, sondern auch tröstenden Halt und viele Gespräche, die uns halfen, unseren spirituellen Kontakt mit dem Universum aufrechtzuerhalten.

Ohne Euch, damit meine ich meine Familie und Freunde und das gemeinsame Netzwerk an Freunden und Nachbarn, dass um Grit und mich herum entstand, hätten wir die letzten fast 11 Wochen nicht so durchstehen können, wie wir es geschafft haben.

Dafür danken wir Euch alle von ganzem Herzen.
Damit meinen wir auch diejenigen von Euch, die wir nicht kennen und uns tröstende und liebevolle Worte geschrieben oder auch Zuwendungen haben zukommen lassen, möchten wir uns von Herzen bedanken.

Die Zeit nach ihrem Tod verlief zuerst mit einem Wochenende außerhalb von Berlin, um etwas Ruhe zu finden. Zu Hause wieder angekommen, war es ein ungewohntes Gefühl, die Tür zu öffnen und nur zu zweit mit unserem Hund zu sein.
Der Verlust eines geliebten Menschen ist eine einschneidende Veränderung im Leben der Liebsten. Mir hallen immer noch unsere letzten Gespräche und ihre Worte in meinem Kopf und jetzt auch rückblickend, in welchem Momenten ich selber mich einsam, allein und den Verlust tief in mir spürte und mit dem Zulassen all dieser Gefühle und Momente auch zu mir selbst fand.

Interessant war auch, dass ich genau in diesen letzten Wochen eine Klientin hatte, der ich half, ihre seit mehreren Jahren anhaltende Trauer um ihren Lieblingsmenschen zu verarbeiten, um diese wieder in Lebensfreude zu verwandeln. Zurückgeschaut habe ich das Gefühl, dass dies eine Vorbereitung für mich war.

Wesentliches zu uns und über die Zeit ihrer Erkrankung habe ich ja bereits geschrieben. Doch ich habe das Bedürfnis Euch noch zu erzählen, wie es weiterging, nachdem ihre Seele ihren Körper verlassen hatte.

Der Ort
Auf Empfehlung und Austausch mit ihren Kindern aus erster Ehe sahen wir uns einen Baumfriedhof außerhalb von Berlin im Nordosten an. Ungefähr knappe 2 Stunden Autofahrt von uns entfernt. Doch das, was wir dort erlebten, war genau das Gegenteil von dem, was wir uns erhofften. Mir wurde zudem bewusst, dass ihre Wünsche, wie sie es sich einmal vorgestellt hatte und über die wir sprachen, als ihre Großmutter väterlicherseits vor 10 Jahren verstarb, hier keine Erfüllung finden würden, sodass ich den reservierten Termin absagte. Der Ort, die Begehung und Führung waren nicht stimmig und waren herzlos. Kommerz und Hektik passen für mich nicht für eine würde- und liebevolle Bestattung.

Jetzt standen wir quasi wieder am Anfang. Doch durch Gespräche mit meiner Familie und auch mit dem Bestatter fanden wir einen wundervollen und romantischen Ort, keine 15 Minuten von uns entfernt, wo wir dann einen Baum aussuchen gingen.

Doch bevor es dazu kam, waren noch ganz andere Herausforderungen zu meistern. Die Versorgung, die Kremation, die vedische Feuerzeremonie und zuletzt die Urnen-Beisetzung.

Die Versorgung
Dabei handelt es sich um ein altes Ritual und gleichzeitig um eine Vorbereitung auf die weiteren kommenden Zeremonien, welche in jeder Kultur in gleicher bzw. ähnlicher Form vorzufinden ist. Nämlich die Waschung, das Ankleiden des Leichnams und diesen in den Sarg zu heben.

Genau dies taten wir ca. 14 Tage nach ihrem Ableben. Meine Tochter, ich, und unsere Hündin sowie die Bestatter von Junimond, Leo und Hendrik, die uns dabei liebevoll unterstützten, waren anwesend. Wir betraten einen großen Raum, der extra für uns beheizt wurde. Die Farbe an den Wänden, die uns entgegen strahlte, war ein freundliches helles Gelb. Es war eine sehr meditative und liebevolle Atmosphäre, die wir fühlten und die sich im Raum begleitend durch im Hintergrund leise abgespielter indischer meditativer Musik und dazu leicht süßlicher duftender Räucherstäbchen verbreitete.

Meine Liebste lag im Sarg, der auf 2 Holzböcken leicht schräg aufgestellt war. Sie wirkte nach wie vor friedlich. Natürlich hatte sich ihr Gesicht verändert und die Haut war bereits durch den Tod leicht fleckig, doch selbst in diesem Moment strahlte sie ihre Liebe für uns aus.

Leo und Hendrik führten uns sehr sanft und liebevoll an das Thema heran, sodass wir wenig Scheu hatten, vor dem, was uns bevorstand. In meiner Vorstellung eigentlich mehr scheue bei meiner Tochter als bei mir, denn ich erlebte bereits die Versorgung meiner Mutter, als sie vor 14 Jahren verstarb. Die Erinnerung daran half mir auch in diesem Moment, die Versorgung mit Liebe durchzuführen.

Mehrfach sprach ich dabei auch unser Mantra (Gayatri Mantra), was wir gemeinsam und sie alleine in den letzten Wochen und Tagen vor ihrem Tod für sich aufsagte, weil es ihr und uns Kraft gab und uns auch die Gegenwart gemeinsam aushalten ließ.


Sie zu waschen und anzukleiden und anschließend in den Sarg zu heben, ließ uns auch ihre Liebe spüren, die sie für meine Tochter und mich inne hatte. In der Zeit der Behandlung ihrer Erkrankung sagte sie öfter sehr klar und deutlich, dass sie die Zeit während der Behandlung nur noch mit uns verbringen möchte und niemanden anderen. Sie wollte auch niemanden anderen sehen oder sprechen, sondern diese Zeit nur mit uns so intensiv wie möglich verbringen. Wofür ich sehr, sehr dankbar bin, weil es uns nochmals Zeit gab, mit ihr unser gemeinsames Lebensgefühl und unsere Liebe zu teilen.


Eine einzige Ausnahme war die Hochzeit ihres ältesten Sohnes, wo sie gleich bei der Diagnose zur Ärztin sagte, dass sie zu seiner Hochzeit fit genug sein möchte. Die Ärztin versprach ihr, dass sie bis zur Hochzeit mit einem neuen Lebensgefühl dabei sein und alles mit genießen, lachen, singen und tanzen können würde. Diesen Optimismus nahmen wir an und schöpften gemeinsam aus diesem Bild eine starke Hoffnung. Und so kam es dann auch, dass wir bei der Hochzeit ihres ältesten Sohnes aus erster Ehe dabei waren, wenn auch nicht so überschwänglich wie von der Ärztin prognostiziert. Auf der Rückfahrt von der Hochzeit war sie überglücklich, gewesen dabei sein zu können und das wiederum gab uns Hoffnung und Kraft weiter positiv in die Zukunft zu schauen.

Ab einem bestimmten Punkt hatte ich dennoch das Gefühl, dass sie es irgendwann ahnte und sich in Wirklichkeit von uns Schritt für Schritt verabschiedete. Etwas, was ich jetzt erst nur vermuten kann und rückblickend in optimistischer Hoffnung in der Realität dieser Zeit nicht zu sehen vermochte.

Nachdem wir sie nun in den Sarg gelegt hatten, machten wir uns daran, den Sarg zu bemalen. Das wollten wir unbedingt. Insbesondere, weil ich ihr ein OM Symbol auf den Sarg-Deckel pinseln wollte.


Unsere Tochter indessen malte eine Giraffe, einen Regenbogen und eine Sonnenblume auf den Sarg. Diese Dinge symbolisierten für sie das, was sie liebte und als schön empfand.




Einerseits hätten wir die ganze Nacht den Sarg bemalen können, aber andererseits fanden wir auch zeitlich den Punkt, wo wir wussten, mehr brauchen wir nicht drauf zu malen.


Wir hoben den bemalten Deckel und legten ihn auf den Sarg, in dem meine Liebste, die liebevolle Mutter meiner Tochter, lag. Wir sprachen noch alle miteinander und wie heilsam wir dies für unsere Trauer empfanden. Wir zogen unsere Winterjacken an und nahmen unsere Hündin an die Leine.


Zwischendurch hatte ich das Gefühl, dass unsere Hündin etwas wahrnahm und sah, was wir nicht sehen konnten. War es vielleicht die Seele von Grit? Es heißt ja, dass Hunde die Seelen Verstorbener wahrnehmen bzw. sehen können.


Leo und Hendrik begleiteten uns zum Auto, welches direkt vor dem Versorgungsraum parkte. Wir verabschiedeten uns umarmend und stiegen ein und fuhren nach Hause. Dabei fragte ich meine Tochter, was sie denn jetzt nach der Versorgung fühlen würde. Ihre Antwort war sehr klar: „Papa, die Versorgung hat mich stark gemacht.“ In diesem Moment machte sie mich sehr, sehr stolz, ihr Vater sein zu dürfen. Es war mehr ihre Selbstwahrnehmung und Ruhe, die ich schon während der ganzen Versorgung bemerkte. Ich erzählte ihr, dass ich die Versorgung als sehr meditativ und beruhigend und heilsam empfand und dass wir innerhalb eines geschützten Raumes unsere Verletzlichkeit erleben konnten. Verletzlichkeit ist Heilsamkeit, ist ein Satz, den uns eine Freundin kurz nach Grits Tod mitgab. Dieser Satz gab uns Kraft und gibt uns diese immer noch. Vor allem zu fühlen, dass was unsere Liebe war und immer noch ist: Das Band, was uns als Trio unzertrennlich machte.


Die Einäscherung - Kremation
Dies war für uns ein weiterer Schritt des Abschieds, den wir nahmen. Manch anderer mag vielleicht denken und hatte auch das Bedürfnis, dass die Bestattung einfach nur stattfinden soll, um damit abschließen zu können. Doch was ich durch den Tod meiner Mutter gelernt hatte, war, dass der Verlust eines geliebten Menschen alles verändert. Klar sagen einige, dass das Leben weitergeht oder den Satz: Bleib stark! Sicherlich gut gemeint alles, aber die wirkliche Stärke lag und liegt darin für mich, dass der Abschied gewürdigt werden sollte, indem wir die Wahrheit annehmen und uns Schritt für Schritt loslösen, dass die Seele dieses Menschen fortan einer neuen Mission folgt. Die Leere, die durch den Verlust entsteht, annehmen, damit sie sich neu mit Liebe für den Verstorbenen füllen darf. Trauer in Lebensfreude zu verwandeln, ist ein herausforderndes Unterfangen, weil es, wie ich festgestellt habe, wenn es kulturell nicht verankert ist, eine noch größere Herausforderung darstellt, Abschied ohne Selbstvorwürfe, Schuldgefühle, Ohnmacht, Hilflosigkeit, Wut und Verzweiflung anzunehmen. Die Bewusstmachung und individuelle Verarbeitung dieser Gefühle sind essenziell, um nicht darin stecken zu bleiben. Verbitterung ändert nichts, sondern verschlimmert die Trauer und verwandelt sie eher in ein seelisches Leiden, was über Jahre andauern und zu Blockaden führen kann.

Ich war und bin es noch, tief berührt von dem, wer plötzlich an meiner Seite stand, um uns aufzufangen. Und immer noch an unserer Seite ist. Allen voran meine Familie, wie auch sehr alte Freunde. Teilweise Freunde, die ich bestimmt über 15 und manche fast 30 Jahre nicht gesehen oder gehört hatte.

Die Einäscherung fand in Brandenburg in einer sehr alten Kremation statt. Das Gebäude strahlte Frieden und Ruhe aus. Als wir ankamen, waren wir die Ersten, dann trafen nach und nach die Trauergäste, die sich ab diesem Schritt mit verabschieden wollten, mit ein.


Da aufgrund des Krankheitsstandes auch bei dem Krematorium Sargträger fehlten, fanden sich ausnahmslos alle ein, den Sarg eine Treppe hoch in den Andachtsraum mit hereinzutragen. Was ich persönlich als eine besondere Wertschätzung und Liebe aller Sargträger gegenüber meiner liebsten Grit empfand. Selbst mein 10-jähriger Neffe, der samt Familie von über 500 km angereist kam, wollte unbedingt mittragen helfen. Er hatte seine eigne, liebevolle und besondere Beziehung zu meiner Frau, der Mutter seiner Cousine.


Als der Sarg stand, sprach ich ein paar Worte und dann spielte ich ein Musikstück ab. Es war eines unserer gemeinsamen Lieblingslieder: Purple Rain. Und so wie der Song lief, liefen meine Tränen in den Ozean der Liebe und Dankbarkeit. Danach trug ich folgende Verse aus der Bhagvad Gita (ein, mehrere tausend Jahre altes Gedicht, in mehreren Versen, welches ein Teil einer noch größeren Geschichte Indiens darstellt) vor.

Krishna erinnert Arjun, dass der menschliche Körper dazu schicksalshaft bestimmt ist zu sterben, aber dass die Seele unsterblich ist:
Die Seele wird weder geboren noch stirbt sie zu irgendeiner Zeit. Die Seele entsteht nicht und hört nicht auf zu existieren. Die Seele ist ungeboren, ewig, dauerhaft und urzeitlich. Die Seele wird nicht zerstört, wenn der Körper zerstört wird. (2.20)
So wie eine Person neue Kleider anzieht, nachdem sie die alten abgelegt hat, so braucht (erwirbt das Lebewesen oder) die individuelle Seele einen neuen Körper, nachdem sie ihren alten Körper abgelegt hat. (2.22)
Die Seele soll unerklärlich, unverständlich und unveränderlich sein. Wenn Sie die Seele als solche kennen, sollten Sie nicht um den physischen Körper trauern. (2.25)

Diese Worte trösteten mich nicht alleine, sondern die anwesenden Trauergäste und auch andere Menschen, die selbst bereits den Verlust eines Menschen oder Tieres erlitten hatten und bis dahin immer noch darunter litten.


Doch der Gedanke und das Gefühl, dass die Zeit zeitlos ist und sobald die Seele den Körper verlässt, sich eine neue Mission sucht, ist nicht nur ein großer Trost, sondern in der eignen Vorstellung im Herzen des Gefühls kein Verlust mehr. Es wandelt sich die Vorstellung, dass die irdische Zeit der Seele und die ihrer Mission vorüber ist und eine neue beginnt. Am Ende steht ein Neubeginn. Darüber hinaus, wenn jemand gegangen ist, hinterlässt er oder sie ein Geschenk für jeden, mit dem sie zu tun hatte, ob diese Menschen sehr, sehr nah oder entfernt zu ihr standen, spielt keine Rolle.

Finden Sie heraus, welches Geschenk Ihr Liebster/Liebste für Sie hinterlassen hat und ihre Trauer wird sich nach und nach in eine neue Lebensenergie verwandeln. Die Zeit wird nicht heilen, außer die Tatsache zu akzeptieren, dass eine große Veränderung in der bisherigen Lebensordnung eingetreten ist. Es ist jetzt an einem selbst, auf sein Herz zu hören und dem Fluss des Lebens im Wissen des eignen Verstandes und der Weisheit des Herzens zu folgen. Nichts mehr zählt jetzt, sondern nur noch um in Bewusstheit, Frieden, Glückseligkeit und Liebe zu leben.

Nachdem ich noch Gayatri Mantra abspielte, las ich mein Gedicht vor, welches ich für meine geliebte Grit schrieb, dabei spielte ich den Song von Karat "Über 7 Brücken musst Du gehen":

Gedanken an meine Liebste
Es ist still

Kein Laut

Ich öffne die Tür

Gleich wirst Du mich rufen

Gleich fragst Du nach unserer Tochter

Doch
Es ist still

Ich rufe nach Dir

Keine Antwort
Es bleibt still

Kein Laut
Du bist fort
Deine Seele an einem neuen Ort

Ich konnte nicht anders und meine Tränen ergossen sich wieder in den Ozean ihrer Liebe hinein.

Nun sprach Leo noch ein paar Worte und der Sarg wurde wieder eine Treppe tiefer getragen und ab da zum Ofenraum gebracht.



Hier sprach ich am Sarg nochmals das Gayatri Mantra, was sie in den letzten Wochen sprach und verabschiedete mich mit meiner anwesenden Familie und Freunden von ihr. Ihre Seele wurde nun vom Feuer gereinigt und auf ihre nächste Mission vorbereitet.


Das Homa - die vedische Feuerzeremonie
Das ist eine Zeremonie und Ritual, dessen Ursprung in den Veden Indiens liegt und für Hausbesitzer vorgesehen ist, um Opfergaben an die Lebensenergie zurückzugeben, mit der sie ihr Haus erschaffen haben. Es ist und kann als ein Dankbarkeitsritual angesehen werden, was mittlerweile zu verschiedenen Anlässen durchgeführt wird. Mal ist es die Geburt eines Kindes und ein andermal ist es der Erfolg in der Karriere, eine Hochzeit oder wenn ein Mensch verstorben ist. Das Feuer ist die Opfergabe, die an den Kosmos gegeben wird, um, wie schon beschrieben, etwas zurückzugeben, aber auch um etwas dafür zu bekommen. Die verwendeten Kräuter und Hölzer, wie auch der Weihrauch und das Wasser symbolisieren die Elemente Feuer. Wasser, Luft, Erde und Äther. Der Rauch reinigt die Luft, das Feuer symbolisch die Seele.

Zu dem Homa für Grit kamen ca. 20 Gäste. Mein Vater und Bruder, wie auch meine Tochter und ich saßen um den Feuertopf herum. Die Gäste saßen überwiegend auf Stühlen. Auch hier waren Freunde da, die ich teilweise das letzte Mal vor über 20 Jahren gesehen hatte. Sie alle kannten Grit sehr nah und persönlich und durch meine Erzählungen.


Wir entzündeten die Hölzer in einem speziellen quadratischen Gefäß und gossen Ghee in die zu Beginn kleinen Flammen und dann legten wir die Hölzer nach und das Feuer wurde größer. Dabei sprachen wir Mantras und warfen die Kräuter ins Feuer.

Auch hier spielten wir wieder Musik dazu. Die Atmosphäre gestaltete sich mehr und mehr in ein sehr dankbares und friedliches Gefühl.

Wenig später überraschte mich meine andere Cousine mit ihrem Mann, die auch fast 600 km gefahren waren, um sich von meiner Liebsten zu verabschieden. Meine Cousine brachte eine wunderschöne Lotus-Kerze in einem Lavendel-Farbton mit, die sie vor 30 Jahren gekauft hatte und für einen ganz besonderen Anlass aufhob und dann anzünden wollte.


Natürlich wusste sie damals nicht für welchen Anlass, aber im Vertrauen, dass wenn der besondere Tag käme, sie es wissen würde. Sie und mein Schwager waren für ihre ganze Familie stellvertretend gekommen, genauso wie meine andere Cousine mit ihrer Familie 2 Tage zuvor kam.


Nach der Zeremonie servierte ich vegane indische Snacks und bot dazu frisch gekochten Chai an.

Ein wunderschönes anderes Geschenk kam von einem alten Freund und früheren NLP Mentor, der nicht nur sein Institut zur Verfügung stellte, sondern auch eine Fotografin engagierte, um von der Zeremonie Fotos zu machen. Ich finde, dass die Fotos sehr eindrucksvoll geworden sind.


Wie immer blieb ein kleiner Kreis übrig, der sich lange unterhielt und am Ende mit aufräumen half. Es war ein zweiter Schritt eines wundervollen Abschieds, in dem unsere Herzen sich alle verbunden hatten und von Grits Leben und ihrer Seele Abschied nahmen. Mein Herz war voller Liebe und Frieden an diesem Abend.


Die Baumsuche
Nachdem die erste Baumsuche so kläglich gescheitert war, empfahl mir mein Bruder, wie auch der Bestatter, dass wir uns den Friedhof Südwestkirchhof anschauen sollten. So wurde ein Termin mit der Verwaltung vereinbart, zu dem meine Tochter und ich direkt nach Weihnachten hinfuhren.

Aus der ersten Erfahrung heraus war ich komplett ohne Erwartungen. Auch wenn ich bereits mir diesen Ort im Internet angeschaut hatte, wie beim ersten ebenfalls, doch da war es noch eine sehr besondere und hohe Erwartung gewesen, einen tollen Baum in einer tollen Gegend zu finden. Wahrscheinlich wurde diese Erwartung insbesondere durch die sehr überzogenen Preise geschürt.

Hier sollte es nun umgekehrt sein. Als wir ankamen und mit dem Auto sogar auf das Gelände bis zur Kapelle vorfahren durften, war ich schon sehr angetan. Das Gelände sah einerseits wie ein gepflegter Park aus und andererseits sahen wir viele Grabsteine, Grüfte und Statuen aus Stein, die sehr, sehr alt aussahen und Ruinen waren. Zumeist waren es ausdrucksstarke Engel, an denen wir im Schritttempo vorbeifuhren. Ich parkte direkt vor der Kapelle, die komplett aus Holz gebaut war. Es war eine norwegische Kapelle und da Grit Skandinavien liebte, war ich mir beim Anblick dieser Kapelle sicher, dass wir hier einen Platz für ihre Urne finden würden.


Kurze Zeit später kam der Verwalter mit dem Fahrrad angefahren. Er war sehr freundlich und sympathisch und begrüßte uns herzlich und sprach uns gleich sein Beileid aus. Er führte uns nach einem Austausch von ein paar Worten gleich in die Richtung eines kleinen Waldes, wo wir dann auch fündig werden sollten. Während wir da lang gingen, Pardon! ... ich rollte natürlich im Rollstuhl nebenher, erzählte er uns einiges Historisches über den Friedhof. Es lagen hier so einige Prominente aus dem 19. und 20. Jahrhundert, denn der Friedhof wurde zum Ende des 18. Jahrhunderts gegründet, sodass sich mittlerweile auch Künstler, Schauspieler, Moderatoren und Politiker ihre letzte Ruhe fanden.


Der Verwalter führte uns über ein Labyrinth von Wegen an eine Stelle, die als Charlottenburg bezeichnet wurde. Es war im Grunde genommen ein kleines Wäldchen. Wir schauten uns um und notierten uns die Bäume, welche uns gefielen und machten dazu Bilder. Als wir beschlossen, zum Ende zu kommen, weil wir ausreichend Bäume gesehen und fotografiert hatten, sah meine Tochter einen sehr schönen, romantischen und großen Baum vor sich. Eine große starke Kiefer, deren Krone wundervoll in den Himmel rankte und mit dem Blick von unten nach oben den Baumstamm lang, die Wolken schon fast berührte. Unsere Entscheidung war damit gefallen.



Die Beisetzung
Dieser Moment war der, auf den ich sehnlichst im Abschiedsprozess zu gegangen bin. Es ging einerseits um den letzten Teil des Abschieds und anderseits hätte dieser ohne vorherigen Zeremonien nicht stattfinden können. Der Augenblick, der dir die unvermeidliche Wahrheit ein letztes Mal vor Augen führt, dass meine geliebte Frau nun nicht mehr ist. Ihr Körper zur Asche kremiert wurde, um sie der Natur zurückzuführen und ihre Seele sich nun einer neuen Mission widmet. Alle Momente des Loslassen waren Teil eines Prozesses, an dessen Ende nicht nur das Ende eines Lebens stand, sondern gleichzeitig auch die Türen zu einem Neubeginn öffnen.
Wann und wo sich diese Türen öffnen und ich bzw. wir durchgehen, wird das Leben selbst bestimmen und sich zeigen.


Ich kam etwas früher an, um Hendrik und seine Assistentin Ria nochmals zu sprechen und zu schauen, ob alles wie an gedacht seinen Lauf nehmen kann. Klingt etwas komisch für mich, wenn ich das so schreibe und gleichzeitig dabei das Geschriebene lese, denn es ging nicht darum, alles zu kontrollieren, sondern es ging einfach darum, dass ich mich energetisch auf diesen Moment, die Umgebung und die Menschen einstimmen wollte, bevor die Gäste kommen sollten.

Der erste Gast kam bereits einen Abend zuvor aus England geflogen. Ein sehr enger und guter Freund, mit dem ich nicht nur geschäftlich zu tun habe, sondern wir uns seit 27 Jahren sehr eng miteinander verbunden fühlen. Er kannte Grit von Beginn an. Und es war einer der ersten Freunde aus meinem engsten Kreis nebst Familie, der Grit kennenlernte. Somit kannte er uns gemeinsam von Beginn an. So nahm er bereits einen Platz vorn neben mir ein.

Ich rollte mich ca. eine viertel Stunde vor Beginn im Rollstuhl vor die Kapelle, um alle Gäste, die nacheinander ankamen zu begrüßen. Doch meine Begrüßung begann und endete auch damit, alle nacheinander in meine Arme zu nehmen. Sie sollten nicht ihre, zum Teils schwere Trauer, bei sich behalten, sondern durch mich spüren, dass die Traurigkeit sich ab einem gewissen Punkt in schöne Erinnerungen und Lebensfreude verwandeln darf. Und gerade wo ich diese Zeilen schreibe, mir noch ihre Worte voller Sorge und Angst einfallen, die sie direkt nach ihrer Diagnose aussprach. Ich hielt sie ganz fest in meinen Armen und flüsterte ihr zu, dass wir das gemeinsam schaffen werden, dass sie wieder genesen wird. Wie schlimm es wirklich war und wie wenig die Schulmedizin in dem Moment wirklich tun konnte, zeigte sich in den letzten 4 Tagen ihres Lebens.

Mittlerweile kamen die ersten Gäste, die ich mit meiner Umarmung und liebevollen Worte der Dankbarkeit, dass sie da waren, um mit mir gemeinsam Abschied zu nehmen, begrüßte. Innerhalb der nächsten 25 Minuten kamen an die 30 Gäste. Das war für meine Tochter und mich etwas sehr Besonderes. Auch wusste ich, dass diejenigen, welche es nicht geschafft hatten zu kommen und kurzfristig absagen mussten, an uns dachten und einige sogar um diese Uhrzeit eine Kerze entzündeten. Während die Gäste in die Kapelle gingen und sich eine Kerze nahmen und sie bei der Urne abzulegen, lies ich von Edvard Grieg die Peer Gynts Suite No.1, Op.46 abspielen.



Als alle nun in der Kapelle saßen und vorneweg der Bestatter stand, der sich bereit erklärt hatte, die Rede meines Stiefsohnes vorzulesen, weil es ihm einfach sonst zu emotional geworden wäre, gerade auch weil er mir eine besondere Erkenntnis über seine Beziehung zu seiner Mutter 2 Tage zuvor mitteilte, die ihn doch sichtlich sehr mitnahm. Doch diese Erkenntnis wird ihm helfen, eine innere Heilung und Versöhnung mit sich selbst zu finden.


Hendrik las die Rede sehr andächtig und würdevoll vor und spielte zwischendurch die Lieder unserer Playliste ab (die Playlist könnt ihr unter diesem Link finden und hören). Lieder, die ich momentan gar nicht mehr zu hören vermag, da der Schmerz des Verlustes wieder hervorkommen würde. Die Leere wird bleiben und das Leben wird entscheiden, ob sich diese Leere mit was Neuem füllen wird oder auch nicht. Was nicht bedeutet, dass das Leben, mein Leben, mir nichts mehr zu bieten hätte. Im Gegenteil!

Am Baum - Asche zu Erde
Nach der vorgelesenen Rede von Hendrik richtete ich noch ein paar sehr persönlichen Worte an meine Gäste. Es wäre jetzt wichtig, zu verstehen, dass jeder, wenn auch unterschiedlich trauert, wir aber alle doch wegen einer unmissverständlichen Wahrheit zusammen gekommen sind. Grit war nicht mehr. Dazu las ich abermals die Verse aus der Bhagvad Gita vor, die mir und anderen immer wieder Trost gespendet hatten. An dieser Stelle schreibe ich sie einfach noch einmal hin, damit ein Zurück scrollen nicht notwendig ist:



Krishna erinnert Arjun daran, dass der menschliche Körper dazu schicksalshaft bestimmt ist zu sterben, aber dass die Seele unsterblich ist:

Die Seele wird weder geboren noch stirbt sie zu irgendeiner Zeit.
Die Seele entsteht nicht und hört nicht auf zu existieren.
Die Seele ist ungeboren, ewig, dauerhaft und urzeitlich.
Die Seele wird nicht zerstört, wenn der Körper zerstört wird. (2.20)

So wie eine Person neue Kleider anzieht, nachdem sie die alten abgelegt hat, so braucht (erwirbt das Lebewesen oder) die individuelle Seele einen neuen Körper, nachdem sie ihren alten Körper abgelegt hat. (2.22)

Die Seele soll unerklärlich, unverständlich und unveränderlich sein. Wenn Sie die Seele als solche kennen, sollten Sie nicht um den physischen Körper trauern. (2.25)

Nach diesen letzten Worten in der Kapelle übernahm Hendrik wieder die Moderation und bat die Gäste, uns zu folgen. Anthony (Name wurde von mir geändert!), ein sehr sympathischer Mitarbeiter der Friedhofsverwaltung, der uns beiseite gestellt wurde, schob mich im Rollstuhl, während ich die Urne in meinen Händen hielt. Und während wir den Gang zur großen und starken Kiefer nahmen und uns die Gäste dabei folgten, wurde die nächsten Lieder der Playliste dabei abgespielt.

Ich hielt die Urne ganz doll fest, so als ob sie lebendig in meinen Armen liegen würde. Ich spürte dabei ihren Atem, ihre zärtlich liebevolle Berührung und hörte sie in mein Ohr flüstern, dass sie ihren kranken Körper verlassen hat, und dass sie, wo sie gerade ist, sehr glücklich ist.


Grit war ein Mensch, der sich an vorderster Stelle immer um andere mehr kümmerte als um sich selbst und sich darin auch nie beirren ließ. Es war in den letzten Jahren zunehmend schwieriger geworden, sie dazu zu bewegen, sich auch Zeit für sich zu nehmen. Gerade auch, weil sie sich immer wieder Gedanken um ihre Kinder und Enkelkinder aus erster Ehe machte. Darüber hinaus hatte sie nach erfolgreichen Geschäftsjahren auch sehr an ihren Fehlentscheidungen zu knabbern. Dennoch hielt es sie davon nicht ab, ihren Weg weiterzugehen. Gemeinsam gingen wir weiter und stützen uns gegenseitig, wo wir nur konnten. Und dann kam die Pandemie, die alles nochmals schwerer machen sollte.


Die Wege des Friedhofs und die Grabsteine mitten im Grünen an den Bäumen und die von Pflanzen bewachsenen Gruften, deren Steine von der Natur geprägt worden waren und dadurch einen vergrauten und alten Eindruck machten, zeugten von einer langen Zeit und hatten gleichzeitig durch den Wildwuchs auch etwas sehr Romantisches. Nach ca. 15 Minuten kamen wir am Baum an. Ich übergab die Urne an Hendrik, stieg aus dem Rollstuhl aus und nahm meine Gehstützen, um die paar Meter zum Baum durch das natürliche Gewächs zu gehen.


Am Baum angekommen, sah ich ein schwarzes Loch im Boden. Ca. 40 cm Durchmesser. Hendrik stellte sich neben mich und zog ein schwarzes Netz um die Urne, dass dann alle ihre Kinder gemeinsam in die Erde einließen. Zuvor sprach ich noch das Gayatri Mantra, was Grit in der Zeit ihrer Krankheit mehr und mehr auswendig gelernt hatte und zur inneren Heilung, nebst dem, was ich ihr als Sprachmemo zusätzlich zum Abspielen am Handy aufnahm, aufsagte.

Das Gayatri Mantra ist eines der wichtigsten und stärksten vedischen Hymnen überhaupt, die im Versmaß geschrieben als Mantra aufgesagt werden. In seiner Wirkung geht es um die Vereinigung mit der inneren Sonne der Wahrheit, mit der Schöpfungskraft eins zu sein, um die Seele zur Erleuchtung zu führen.
Während ich das Mantra aufsagte, begleiteten mich dabei mein Bruder und meine Cousine sowie meine Tochter, der wir das Mantra bereits als Kind beigebracht hatten. So, wie wir es als Kinder erlernt hatten.

Nachdem die Kinder die Urne in die Erde eingelassen hatten, nahm jeder der anwesenden Gäste ein Stück Erde und warf es in das Loch hinein. Dabei spielten wir wieder ihr Lieblingsstück von Karat „Über sieben Brücken musst Du gehen“ ab, was in mir wieder einen weiteren Schwall an Tränen auslöste. Viele konnten sich dabei auch nicht zurückhalten und ließen ihrer Trauer freien Lauf.

Wir standen noch einige Zeit um den Baum und gingen hin und her und unterhielten und umarmten uns. Einige Gäste hatten sich bereits auf den Weg gemacht und so lichtete sich die Ansammlung von 30 Gästen bis wir nur noch ein paar wenige waren, die dann gemeinsam zur Kapelle zurückgingen und wir uns dann dort voneinander mit einer letzten Umarmung an diesem Tag verabschiedeten.

Wir, James, ich und meine Tochter sowie der Bestatter mit seiner Assistentin waren die letzten, die sich voneinander verabschiedeten. Danach verbrachten wir noch einige Zeit mit James und fuhren ihn zum Flughafen.

EPILOG
Wären die Gesetze in Deutschland anders gewesen, hätte ich am liebsten ihrem Traum und Wunsch entsprechend, ihre Asche in der Ostsee verstreut.

Es ist der 4te Januar 2023. Meine Tochter und ich sind erwacht und merken, wie erschöpft wir noch vom Vortag der Beisetzung sind. Seelisch wie auch körperlich. Ohne Worte war uns beiden klar, dass wir heute uns in die Leere des SEINS hinzugeben hatten, um so langsam und Schritt für Schritt Platz für einen Neubeginn zu schaffen. Ein Neubeginn, der kein Ziel und keine Vision hat, sondern nur eines mit sich bringt, demütig die Kostbarkeit und Zerbrechlichkeit des Lebens anzunehmen, dabei jede Minute des eignen Atems zu spüren, um damit die Trauer in eine neue Lebensfreude verwandeln zu können.

Wartet nicht auf den Tod, achtet auf Eure Gesundheit und lebt Euer Leben im Hier und Jetzt.

In Liebe
Viney


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