Das Normalste auf der Welt

Madi und ich heiraten im September. Fast auf den Tag genau zwei Jahre nach jenem denkwürdigen ersten "Info"-Termin beim Standesamt. Falls es tatsächlich noch jemanden gibt, dem ich diese Story nicht erzählt habe, dann heben wir uns das für die Hochzeit auf...  
Inzwischen schauen wir nur noch nach vorn und freuen uns auf unser Fest mit unseren Liebsten! 

Wir befinden uns schon in ziemlich normalen Hochzeitsvorbereitungen mit Lokation (check), Gästeliste (check), Einladungen (check), Kleid suchen (check), Anzug finden (check), Essen (?), Torte (?), Musik (?), Deko (?) ...... jeder weiß, was alles zu einer normalen Hochzeit gehört. 

Doch bei allem, was normalerweise zu einer Hochzeit gehört, fehlt für Madi die normalste Sache auf der Welt schmerzlich: nämlich das Beisein seiner Familie!

Wir haben an alle unsere Freunde und an meine komplette Familie Einladungen verschickt.
Seinen Eltern und Geschwistern haben wir hingegen telefonisch und pro forma mitgeteilt, dass wir heiraten. An eine wahrhaftige Einladung, die zur Anwesenheit seiner Familie hier in Heidelberg führt, ist natürlich nicht zu denken. 

Madi ist darüber selbstverständlich sehr traurig, doch er ist sich ja auch der Hintergründe bewusst.
Es ist nunmal nicht einfach, als Afrikaner nach Deutschland zu kommen.
(Wenn man nicht gerade quar durch Afrika, dann durch die Wüste, durch Libyen, übers Mittelmeer mit dem Boot.......du weißt schon)
Um als Afrikaner auf normalem Weg nach Deutschland zu kommen, benötigt man Dinge, die für die Mehrheit der Afrikaner unvorstellbar sind:

Man braucht eine Einladung nach Deutschland.
Dann das Visum. Das ist für Viele schon ein Ausschlußkriterium. Das Visum bekommt man gar nicht in Gambia, denn dort gibt es keine Deutsche Botschaft. Man muss dafür nach Dakar in Senegal. Was eine einfache Autofahrt von 5-7 Stunden bedeutet und meist eine unbezahlbare Übernachtung in Senegal erfordert, denn die Termine bei der Botschaft finden zwischen 8 und 10 Uhr morgens statt und die Anreise aus Gambia in der Nacht ist zu gefährlich.

Aber zu aller erst braucht man sowieso eine Geburtsurkunde.
Und man braucht einen Pass.
All das hat Madis Familie schon nicht. 
Seit dem Regime-Wechsel im Januar werden zudem keine neuen Pässe mehr ausgestellt, der neue Präsident hat diesen Prozess bis auf Weiteres gestoppt. 

Man braucht Geld, viel Geld, um nachzuweisen, dass man in Europa für sich selbst aufkommen kann, dass man den Aufenthalt und sämtliche Krankheitskosten und sonstige Eventualitäten bezahlen kann. 

Man braucht ein Flugticket für einen Flug, der das zig-fache des Familieneinkommens kostet. 

Also lauter Hindernisse.
Es ist daher unmöglich für Madis Familie, bei unserer Hochzeit dabei zu sein. Für seine Geschwister sowieso. Für seine Eltern auch. 

Ich habe ihn mal gefragt, wen er denn dabei haben wollen würde, wenn er sich nur eine einzige Person wünschen könnte. Er sagte, das wäre dann seine Mutter. 
Weiter haben wir darüber dann nicht mehr gesprochen, denn es ist eben unmöglich: es kostet Nerven, Zeit, Geld... man muss lesen und schreiben können, um den ganzen Papierkram zu machen. Und schon allein ein Visum für seine Mutter ist ein Ding der Unmöglichkeit. 

Denkt er. 


Und das soll er auch weiter denken.


Doch jetzt möchte ich dir als Teil der Hochzeitsgesellschaft ein Geheimnis verraten. Und es muss mein und dein und unser aller Geheimnis bleiben, zumindest bis zum 15. September 2017!
(ja, auf deiner Einladung steht der 16. September, denn da feiern wir. Unsere standesamtliche Trauung findet allerdings schon am 15. September um 09.40 Uhr in Heidelberg im Rathaus statt).

Ab jetzt behälst du bitte jedes Wort hiervon für dich, denn der Allerallerallerletzte, der davon auch nur den geringsten Wind bekommen darf, ist Madi Sarr.

Wir haben uns - mit der großartigen Hilfe seines besten Freundes aus Gambia, Amadou Pa Faal und dessen Bruder Amat Faal in Gambia - in dieses bürokratische Abenteuer gestürzt und möchten Madis Mutter, sie heißt Mama Jobe, zu Madis und meiner Hochzeit nach Deutschland einladen



Es soll eine Überraschung für Madi sein, dass seine Mutter zum Standesamt auftaucht.

Madi soll dieses kleine aber sehr essentielle Stück des Normalsten auf der Welt auch haben, indem seine Mutter bei seiner Hochzeit dabei ist. 

Wir machen das alles Schritt für Schritt, denn  es sind viele kleine und große Schritte notwendig:

Die Merk- und Infoblätter sind gelesen und verstanden. 

Die Verzichtserklärung ist abgegeben (bedeutet, dass ich persönlich für sämtliche Kosten des Aufenthalts - auch für alle unvorhergesehenen - aufkomme)

Madis Mutter hat über viele Umwege und Beziehungen, Beziehungen und Beziehungen  und so weiter einen Pass erhalten.
(Natürlich erst, nachdem wir eine Geburtsurkunde für sie ausstellen lassen konnten.)

Der Hin- und Rückflug ist gebucht (denn ohne Flugticket kein Visum, wenn auch der bezahlte Flug keine Garantie für den Erhalt des Visums ist - und es gibt für Nicht-Bürger der EU z.B. keine Reiserücktrittsversicherung).

Die Krankenversicherung mit weltweitem Schutz ist abgeschlossen. 

Madis Verwandschaftsverhältnis zu seiner Mutter ist nachgewiesen. 

Unsere bevorstehende Trauung ist dokumentiert.

Die Verwurzelung der Mutter in Gambia ist versichert (damit garantiert wird, dass sie nicht in Deutschland bleiben möchte / wird / versucht). 

Die Antragsformulare sind ausgefüllt (im Original und in Kopie)

Bearbeitungsgebühren, Passfotos, Kontoverbindungen, Anschriften, Absichtserklärungen:  die vollständige Checkliste habe ich mehrmals rauf und runter erledigt.

Der Termin zur Vorsprache bei der Deutschen Botschaft in Dakar steht für den 19. Juli um 10 Uhr.

Am Vortag wird Amadou Pa Faals Bruder Amat gemeinsam mit Mama Jobe extra in den Senegal reisen (wo Mama Jobe Zeit ihres Lebens noch nie war, sie war nämlich überhaupt noch nie irgendwo außerhalb von Gambia) um dann am 19.07. die vollständigen Antragsunterlagen bei der Botschaft vorzulegen (obligatorisch). 

Dann dauert es ein paar Tage.

Danach erhält sie hoffentlich das Visum. 

Ihr Flug ist gebucht auf den 13. September, so dass sie am 14. September morgens in Frankfurt landet. 
Ich werfe Madi einen Tag vor dem Termin beim Standesamt raus mit der Begründung, "das isso in Deutschland" - eine Nacht vor dem Standesamt muss er woanders übernachten.
Wir sehen ihn dann erst am 15. September gegen 09 Uhr morgens vor dem Rathaus wieder. 
Zusammen mit Mama Jobe.

Das ist alles natürlich sehr aufregend und spannend. Und es ist zudem nicht billig. 
Im Gegenteil, es ist genauso teuer, wie es wertvoll ist...

Wenn du dich also möglicherweise schon gefragt hast, was du uns zu unser Hochzeit schenken möchtest, dann wäre das hier vielleicht eine Idee, die dir gefällt. 
Und wenn du jetzt nicht mehr an dich halten kannst und dich in Form eines Beitrags an der Finanzierung dieses Geschenks für Madi (und letztlich für uns alle) beteiligen möchtest, dann bist du hier zum Glück schon am richtigen Ort. 

Und ganz wichtig, bloß kein Stress!  
- Du musst hier nicht mitmachen.
- Du darfst dich, wenn du es doch tun möchtest, mit kleinen wie mit großen, mit glatten wie mit krummen Beiträgen beteiligen. Auch symbolische Be(i)träge kommen an. 
- Und du kannst sowohl anonym als auch namentlich erkennbar in Erscheinung treten.

Denn eins steht fest: Es geht um die letzliche Umsetzung dieses Plans und ich erwarte auch nicht, dass die gesamen Ausgaben hierüber gedeckt werden.
Wir werden uns hinterher auch definitiv nicht mit der Gästeliste und dem Taschenrechner zum Abgleich hinsetzen ;-) 



Aber so oder so: bitte, bitte bitte bitte, du musst schweigen wie ein Grab! 
Sieh bitte auch von harmlosen Fragen oder Witzeleien ab, in der Masse könnte er doch misstrauisch werden und es wäre zumindest schade um die Überraschung.

Ich kann es kaum abwarten, Madis Gesicht zu sehen und seine Freude zu erleben, wenn Jannis zur Eheschließung seine Oma aus Gambia mitbringt! 

(und wenn du das auch sehen willst, dann musst du dich am 15. September auch schon um 09.00 Uhr beim Standesamt einfinden ;-)

Bis dahin dann, spätestens am 15. September beim Rathaus oder am 16. zur Party - oder beides ;-)

Deine Jamileh - und Madi, der dir unglaublich dankbar und so froh ist, er weiß es nur noch nicht! 
Und Jannis, der seine Oma bislang nur als Stimme am Telefon kennt 







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